Dirk Lotze - Journalist
Leerer Fleck am Döppersberg: Der Stand der Diskussion

Leerer Fleck am Döppersberg: Der Stand der Diskussion

index.jpg: 1200x675, 132k (07. Januar 2020)
Die freie Fläche am Primark-Gebäude ist sie provisorisch aufgeschottert. Für die Planung gibt es widerstreitende Ideen. Archivfoto.


Wuppertal. Für den Platz "hinter" Primark im Zentrum Elberfeld schlagen Stadtpolitikerinnen und -politiker vor, die Taxi-Flächen des Bahnhofs zu erweitern. An der Stelle sollte einmal ein Fahrrad-Haus für Wuppertalerinnen und Wuppertaler entstehen. Später hieß es, auf den 400 Quadratmetern Niemandsland sei Platz für Jugendliche - mit Bodenwellen für Skater und etwas Grün. Für Ende Januar 2020 steht der leere Fleck erneut auf der Liste des Rats. Grund für die Schwierigkeiten ist ein Bündel widerstreitender Ziele. Eine Chronologie:

Am 12. Juni 2019 veröffentlichte die Stadtverwaltung ihren Vorschlag "Döppersberg Platz Ost, Shared Spot" als Ratsdokument (VO/0469/19). Einbauten für Skater und ein Baum sollten den Platz attraktiv machen. Die Projektleitung Döppersberg und die Abteilung Grünflächen und Forsten formulierten zurückhaltend. Es ging um folgende Überlegungen.

  • Eine Grünanlage würde den Platz verbessern, aber die Drogenszene vom Döppersberg anziehen. Unter Gebüschen und in Erdlöchern würden Drogenhändler erfahrungsgemäß ihre Ware verstecken. Das entspricht einer gängigen Arbeitsweise. An die rückseitige Fassade von Primark werde voraussichtlich uriniert.
  • Von einem Spielplatz könne man die Drogenszene ausschließen. Ordnungsdienst und Polizei bekämen eine Handhabe. Allerdings will direkt neben der Kreuzung Bundesallee / Brausenwerth mit ihrer extremen Verkehrsbelastung und mit schlechter Luft wohl niemand Kinder spielen lassen.
  • Ein Taxiplatz wäre möglich, würde Taxiunternehmen nützen und „soziale Kontrolle“ bieten. Der Drogenhandel würde die Stelle meiden, vor den Augen der Taxifahrerinnen und -fahrer würden weniger Passanten an die Fassade urinieren. Dennoch wäre diese Lösung laut Stadtverwaltung "unpraktikabel": Auf dem Platz gibt es seit 2015 eine Feuerwehrzone, die niemand blockieren darf. So beengt funktioniere der Taxiverkehr voraussichtlich nicht zuverlässig. Außerdem seien abends und nachts nur wenige Taxen am Bahnhof. Zu diesen Zeiten bliebe die Fläche unbewacht.
  • In der Diskussion der Planungs- und Baubegleitkommission Döppersberg ergänzte die Verwaltung, auf dem Platz könnte die Stadt rechtlich gesehen das Café Cosa bauen - ein Angebot für Drogenkranke. Die Einrichtung befand sich früher in Elberfeld, hat aber noch auf unbestimmte Zeit keinen Platz in der City. An dieser Stelle sei die Szene aber nicht erwünscht.

Am 26. Juni 2019 beriet die Planungs- und Baubegleitkommission Döppersberg über den „Shared Spot“. Die Ratsmitglieder Hans-Jörg Herhausen und Michael Müller (beide CDU) sowie Thomas Wängler von der Industrie- und Handelskammer fragten intensiv nach der Möglichkeit, statt dessen einen Taxi-Warteplatz einzurichten. Die Stadtverwaltung solle mit der Taxizentrale sprechen. Ratsmitglied Klaus Lüdemann (Bündnis 90/Die Grünen) fragte nach einer Toilette auf dem Platz. Auf Antrag der Grünen beschloss die Kommission, den Vorschlag in der folgenden Sitzung erneut zu beraten.

Auch die Bezirksvertretung Elberfeld vertagte den Vorschlag "Shared Spot". Thomas Kring (SPD) lobte die Idee. Es fehle zu oft der "Mut für etwas Neues".

Zur Sitzung der Döppersberg-Kommission vom 3. September 2019 zog die Verwaltung ihre Vorlage "Döppersberg Platz Ost, Shared Spot" (VO/0469/19) zurück. Sie ist im Ratsinformationssystem der Stadt nicht mehr abrufbar.

Laut Mitteilung von Anfang Januar 2020 werden die Rats-Fraktionen von CDU, Bündnis 90/Die Grünen, FDP und Freie Wähler einen gemeinsamen Antrag einreichen: Auf der freien Fläche solle ein Taxi-Warteplatz eingerichtet werden. Dies sei mit der Taxizentrale abgestimmt.

Am 7. Januar 2020 kritisierten die Jusos Wuppertal den angekündigten Antrag der Ratsfraktionen. Yannik Düringer vom Vorstand erklärte: Auf dem Platz Ost könne statt einer Taxenfläche Grün, eine Fahrradständer-Anlage oder ein kleiner Skater-Platz entstehen.

Eine Vorschlagsliste mit Ideen von Bürgerinnen und Bürgern reichte der Elberfelder Geschäftsmann Thomas Pusinelli am 12. Januar 2020 als Bürgerantrag an Oberbürgermeister Andreas Mucke ein. Die Eingabe umfasst vier Ideen: Eine Skateranlage könnte entstehen - oder eine Grünfläche mit Spielgeräten, eine Kunst-Ausstellungsfläche oder einen Garten als Modellprojekt mit Gewächshaus, Beerensträuchern, Insektenhotel und Teichbereich. Wuppertalerinnen und Wuppertaler könnten sich dort anregen lassen, wie sie Gärten und Balkone im Klimawandel gestalten können. Die Vorschläge hatte eine Gruppe auf der Internet-Plattform Facebook zusammen getragen.

Am 15. Januar 2020 ließen sich Oberbürgermeister Andreas Mucke und der Elberfelder Bezirksbürgermeister Hans Jürgen Vitenius (beide SPD) in den Medien zitieren, sie befürworteten für den Platz Ost eine beleuchtete Grünanlage mit einem historischen Schwebebahn-Wagen. Ein entsprechendes Fahrzeug bot ein Siegener Unternehmen zum Kauf an.

Am 28. Januar 2020 tagt die Planungs- und Baubegleitkommission Döppersberg. Auf der Tagesordnung steht der Vorschlag, auf den Platz Ost einen Taxi-Warteplatz einzurichten (von CDU, Bündnis 90/Die Grünen, FDP und Freien Wählern), außerdem drei Vorschläge der Verwaltung vom 20. Januar 2020 für ein Spielfeld, einen Skater-Platz oder einen begrünten Platz mit Bäumen. Eine Taxifläche sei nun aus gestalterischen Gründen abzulehnen.

Den Bürgerantrag berät der Hauptausschuss voraussichtlich erst später, am 12. Februar 2020.


Dieser Beitrag erschien zuerst in meinem Newsletter Berg und Tal - Beiträge zur Stadtpolitik.
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Zuletzt geändert am 24. Januar 2020