Dirk Lotze - Journalist
Prozess um Raub in Wohnung platzt

Gerichtsinsel

10. Juli 2025: Prozess um Raub in Wohnung platzt

Das Landgericht verhandelt über einen brutalen Raub vor Zeugen in Velbert. Hintergrund war womöglich Kokainhandel. Grund für den Abbruch ist Terminnot.

In einem schon beinahe abgeschlossenen Prozess um brutalen Raub in einer Velberter Wohnung musste das Landgericht Wuppertal seine Verhandlung ohne Ergebnis abbrechen. Für die Verhandlung wurden mehr Sitzungstage nötig als anfangs geplant. Über die Sommerferien war aber keine Fortsetzung innerhalb der laufenden Fristen mehr möglich. Grund sind bestehende Urlaubsplanungen. Voraussichtlich ab August 2025 müssen die selben Richterinnen und Richter den Prozess neu aufrollen und die gesamte Beweisaufnahme erneut durchführen. Nur zwei neue Schöffen werden dann die bisherigen ehrenamtlichen Richter in den Prozess ersetzen. Der 39-jährige Hauptangeklagte bleibt vorerst in Untersuchungshaft: Es besteht Fluchtgefahr.

Das Landgericht Wuppertal ist mit einer großen Strafkammer für den Prozess zuständig; sie kann bis zu 15 Jahre Freiheitsstrafe verhängen. Laut Anklage haben der Hauptangeklagte und ein 20-jähriger Mitangeklagter Anfang Juni 2024 einen Bekannten in der Velberter Oberstadt überfallen.

Bei dem Geschehen sollen Zeugen in der Tatortwohnung gewesen sein, unter ihnen die Freundin des Geschädigten. Der 39-Jährige soll sein jüngeres und körperlich unterlegenes Opfer mit Fäusten zusammengeschlagen und ihm Geld abgenommen haben.

Laut Staatsanwaltschaft hat der zweite Angeklagte dem Überfallenen zeitweise ein Messer an den Hals gehalten. Von den Umstehenden habe er verlangt: Sie sollten ruhig bleiben. Beide Angreifer hätten schließlich die Gewalt beendet und seien mit Beute geflohen.

Zwei Tage nach dem Überfall erschien der Verletzte tief in der Nacht bei der Polizei, um den Überfall anzuzeigen. Fotos zeigen Prellungen und Blutergüsse in seinem Gesicht. Im Prozess hat der Mann zugegeben, dass er den älteren Angeklagten aus kriminellen Zusammenhängen kenne: Er habe ihm Geld geliehen, damit er ein Kokain zum Weiterverkauf beschaffen konnte.

Nach anfangs widersprüchlichen Aussagen des jüngeren Mannes im Zeugenstand änderte der seine Aussage zum Hintergrund auf die Fassung, die nun gelten soll: Dass er den Älteren gekannt habe. Das hatte er anfangs bestritten. Der Umschwung kam nach beharrlichen Nachfragen von Gericht und Verteidigung. Die Vernehmung des Mannes hatte die Mehrheit der bislang fünf Sitzungstage in Anspruch genommen.

Zuletzt ging es um die Frage, ob es abgesprochene Falschaussagen gegeben habe. Der Verletzte und seine Freundin hätten sich womöglich abgestimmt.

Einen insegsamt kurzen Strafprozess darf das Gericht laut Gesetz nur für längstens drei Wochen unterbrechen. An allen Terminen müssen alle Richter und Schöffen und je ein Verteidiger für jeden Angeklagten teilnehmen. Die Staatsanwaltschaft entsendet einen Vertreter oder eine Vertreterin, gegebenenfalls kommen Dolmetscher hinzu.

Aus bereits geplanten Urlauben darf das Gericht die Beteiligten nicht zurückrufen.

Verhandlung vor dem Landgericht Wuppertal, 1. Strafkammer, vom 4. Juli 2025
Ich berichte vom Besuch des Termins und anhand ergänzener Auskunft des Gerichts.


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Zuletzt geändert am 14. Juli 2025