Dirk Lotze - Journalist
Illegale Deponien: Abbruch-Unternehmer steht vor Gericht

Gerichtsinsel

18. August 2025: Illegale Deponien: Abbruch-Unternehmer steht vor Gericht

Der 71-jährige Angeklagte aus Solingen soll krebserregenden Abfall auf fremden Grundstücken vergraben haben. Er habe bei der Beseitigung sparen wollen. Seine Firmen habe er unter falschen Namen angemeldet.

Ein Unternehmer aus Solingen steht in seinem Strafprozess um illegale Mülldeponien erneut vor Gericht. Die Abbruch-Firmen des 71-Jährigen sollen krebserregende Abfälle auf Grundstücken von Kunden vergraben haben, die nichts davon ahnten. In weiteren Fällen geht es um große Mengen Bauschutt. Das mutmaßliche Motiv: Sparen bei den Kosten für die Beseitigung. Das für Umweltstraftaten zuständige Amtsgericht Wuppertal beginnt die Verhandlung zum zweiten Mal, nachdem der Prozess 2022 nach mehreren Sitzungstagen bei Fehlen des Angeklagten geplatzt war. Inzwischen hat die Staatsanwaltschaft den Mann in drei neuen Fällen zusätzlich angeklagt.

Der 71-Jährige soll Firmen unter falschen Namen angemeldet haben. Mitarbeitende hätten für ihn ihre Personalien hergegeben. Alle Umstände muss das Gericht unabhängig aufklären. Im Schöffengerichtssaal ist der 71-Jährige der erste Angeklagte seit 20 Jahren, von dem die Vorsitzende Richterin den Ausweis kontrolliert - ob er es auch wirklich ist. Ein Gerichtsarzt für Psychiatrie begleitet den Prozess. Er soll feststellen, ob der Mann trotz schlechter Gesundheit verhandlungsfähig bleibt.

Verhandeln muss das Gericht um 13 Fälle: Belasteten Bauschutt aus der Solinger Innenstadt habe der Mann nicht entsorgt, sondern illegal abgekippt. Nachbarn zeigten ihn an. Mit anderem Material habe er in Ohligs einen Garten aufgefüllt, obwohl es von einem Altlasten-Grundstück stammen sollte. In Remscheid ist ein Neubauprojekt betroffen. In einem Fall soll der Mann eine Entsorgungsbescheinigung für gefährliches Asbest schlicht gefälscht haben, um zu täuschen.

Die ältesten Verfahren, aus der Zeit um 2014, drohen im Prozess zu verjähren. Nach Informationen aus Justizkreisen zieht der Angeklagte jeden Hebel, der das Verfahren bremsen kann. Zum Prozessauftakt teilten seine zwei Anwälte mit: Sie hätten die Akten teils noch nicht einsehen dürfen. Das Recht darauf stehe ihnen zu. Ein Anwalt erklärte der Vorsitzenden: "Ich habe da einmal dran erinnert. Mehr muss ich nicht tun." Als zweiten Punkt bemängelte er: "Außerdem hat mir niemand gesagt, was der Gerichtspsychiater hier im Saal soll."

Die Richterin antwortete: "Der ist da, falls es Ihrem Mandanten schlecht geht." Die Anwälte bekommen bis zum zweiten Sitzungstag am Mittwoch, 20. August 2025, Einsicht in die Unterlagen bei Gericht. Dann will die Vorsitzende erste Zeugen befragen.

Prozessbeginn vor dem Amtsgericht Wuppertal, Schöffengerichts-Abteilung 16, vom 18. August 2025.
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Zuletzt geändert am 21. August 2025