Dirk Lotze - Journalist
Vom Vater als Strohmann benutzt? Sohn sagt gegen angeklagten Solinger Abbruch-Unternehmer aus

Gerichtsinsel

05. September 2025: Vom Vater als Strohmann benutzt? Sohn sagt gegen angeklagten Solinger Abbruch-Unternehmer aus

In einem Großprozess um Umweltstraftaten verzichtete der 37-jährige Sohn auf sein Schweigerecht, das ihm als Angehöriger zusteht. Der Vater habe ihm eine schwere Krankheit vorgetäuscht, damit er in desssen Geschäfte einsteigen sollte. Tatsächlich sei es um illegale Beseitigung von Asbest und Schutt auf fremde Kosten gegangen.

Krebserregender Asbest sei illegal beseitigt worden. Containerweise giftiges Material sei heimlich auf Privatgrundstücken in Solingen und Remscheid vergraben worden. Ein Solinger Abbruch-Unternehmer steht in einem Großprozess wegen Umweltstraftaten unter schwerem Verdacht. Ein 37-jähriger Sohn aus erster Ehe sagte im Prozess nun gegen ihn aus: Er sei von 2022 bis 2023 ein Strohmann des Vaters gewesen – unter falschen Voraussetzungen, wie er sagt: "Er hat mir gesagt, er ist schwer krank und er braucht jemanden, dem er vertrauen kann." Gestimmt habe das nicht. Auch sei der Vater nicht Ingenieur, wie zeitweise behauptet werde: "Meine Mutter hat mir gesagt, er hat an der Fleischtheke im Supermarkt gelernt."

Der Angeklagte ist 73 Jahre alt und schweigt in dem Verfahren; er braucht sich nicht selbst belasten. Die Vorwürfe gegen ihn umspannen acht Jahre und reichen bis 2022. Laut seinen Anwälten ist er so krank, dass er kaum verhandeln kann. Die Verteidigung hat im Prozess bislang weder die Anklagepunkte noch Zeugenaussagen im Einzelnen kommentiert. Vor der Öffentlichkeit gibt es keine Erklärungen. Das Amtsgericht Wuppertal verhandelt den Fall, weil es für Umweltstraftaten zuständig ist. Es darf bis zu vier Jahre Freiheitsstrafe aussprechen, darüber ginge der Prozess ans Landgericht. Die mutmaßlichen Tatorte verteilen sich über das bergische Land wie Masern über ein Gesicht.

Auf dem Gerichtsflur begegneten sich die beiden Männer vor der Zeugenaussage kurz. Der Vater sah dem Sohn gezielt in die Augen und lächelte verhalten. Der Sohn zeigte keine Reaktion. Im Saal saß er aufrecht am Zeugentisch und blickte nur zum Gericht. Er darf schweigen, als naher Verwandter. Zeitweise war er Beschuldigter, das Verfahren gegen ihn wurde eingestellt. Er will aussagen, sagte der Mann. Jeder folgende Satz war eine Abrechnung.

Er sei dabei gewesen, als giftiger, chromhaltiger Schutt auf einem Wohngrundstück in Remscheid verteilt wurde. Laut Staatsanwaltschaft wird dort derzeit das Grundwasser überwacht - bei mindestens 100.000 Euro Kosten für den Eigentümer. Weitere Sanierungskosten werden noch geschätzt.

Der Sohn bestätigte: Der Vater habe teils abgedeckte, teils offene Container voller Asbest mit dem Firmennamen eines Konkurrenz-Unternehmens besprühen lassen. So habe er Spuren verwischt. Die Ladung hätten Arbeiter auf einem öffentlichen Parkplatz abgestellt. Die Allgemeinheit trug die Kosten für die Entsorgung. Schon kleinste Mengen der Fasern sind beim Einatmen gefährlich.

Auch andere Männer sollen als Strohleute gedient haben, das ist in dem Prozess bekannt geworden. Der Sohn sagte, er habe wegen früherer Geschäfte ständig Geldforderungen von Behörden in der Post: "Ich bekomme fünfmal die Woche Briefe mit amtlicher Zustellung aus Städten, deren Namen ich noch nie gehört habe."

Die Anwälte des Angeklagten kommentierten die Aussagen. Der Vater rieb sich Schläfen und Augen und erklärte knapp: "Ich kann das alles nicht mehr verstehen. Der Kopf geht auseinander." Um seine Gesundheit zu schützen ordnete das Gericht eine Pause an, dann wurde der nächste Zeuge aufgerufen. Der Sohn verließ den Saal ohne ein weiteres Wort.

Stellungnahmen von Umweltbehörden und Gutachtern stehen noch aus und werden im Verlauf des Verfahrens erwartet. Das Gericht will die Sitzung am 10. September 2025 fortsetzen und weitere Zeugen befragen.

Termin des Amtsgericht Wuppertal, Schöffenabteilung 16, am 1. September 2025.
Ich berichte vom Besuch des Termins.


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Zuletzt geändert am 08. September 2025