15. September 2025: Illegale Entsorgung: Wohngrundstück hatte hinterher mehr giftigen Schutt als vorher
Einen angeklagten Abbruch-Unternehmer aus Solingen verfolgte die Polizei zehn Jahre lang, bis die Beweise für die Anklage standen. Bei einem Wohnbauprojekt in Remscheid ging es um giftiges und krebserregendes Chrom aus einem alten Galvanik-Betrieb. Die Machenschaften dort fielen einem Ingenieur auf und der städtischen Bauaufsicht.
Über zehn Jahre verfolgten Ermittler die Spur von einer Baustelle zur nächsten – quer durchs Bergische Land. Mehrere Hinweise auf illegal entsorgten, krebserregenden Schutt hatten die Suche ausgelöst. Er lag auf privaten Grundstücken unterschiedlicher Eigentümer. Bei einem Wohngrundstück in Remscheid war nach der angeblichen Sanierung die Belastung sogar höher als zuvor. Im Prozess gegen einen 73-jährigen, angeklagten Abbruch-Unternehmer aus Solingen sagte der Ermittlungsleiter der Polizei im Gericht aus: "Allein die Umwelttaten waren der Wahnsinn." Die Entsorgung des mit Chrom belasteten Schutts in Remscheid kostet geschätzt 400.000 Euro. Für andere Tatorte sind die Kosten noch offen. Laut dem Kriminalbeamten steht der Mann zusätzlich unter Verdacht: Er soll betrogen und Entsorgungsnachweise gefälscht haben. Darüber hinaus soll er bei seinen Firmen in Schieflage die Zahlungsunfähigkeit bewusst verschleppt haben.
Der 73-Jährige ist verheiratet und hat erwachsene Kinder. Nach früheren Verurteilungen hat er in Haft gesessen, aber für das laufende Verfahren ist er auf freiem Fuß. Und: Einen Teil der Taten soll er begangen haben, während bereits gegen ihn ermittelt wurde. Der Mann schweigt, was sein Recht ist, und hört dem Prozess mit ernstem Gesicht zu. Von der Anklage erfasst sind Vorwürfe aus sieben Städten. Über sie verhandelt das Amtsgericht Wuppertal, weil es für Umweltstraftaten zuständig ist. Die Vorsitzende Richterin darf zusammen mit zwei ehrenamtlichen Beisitzern bis zu vier Jahre Freiheitsstrafe aussprechen. Für höhere Strafen wäre das Landgericht zuständig.
Vor Gericht erklärte ein Ingenieur anhand seiner Unterlagen: Den giftigen und krebserregenden Chromstaub können Menschen einatmen oder über die Haut aufnehmen. An dem Remscheider Standort stamme es aus einem früheren Galvanik-Betrieb, einer Fabik, die Metalloberflächen behandelt hat. Solche Fabriken seien häufig belastet. Er fügte hinzu: "Üblicherweise halten sich die Firmen an meinen Sanierungsplan. In diesem Fall allerdings nicht." Transportscheine hätten gefehlt, das sind Dokumente, die beweisen, welche Ladung wann und wo hingebracht worden sein soll. Außerdem fehlten Entsorgungsnachweise – das sind wichtige Belege, dass Abfälle ordnungsgemäß und legal beseitigt wurden. Üblich seien in der Branche elektronische Dokumente über die Arbeit, die automatisch überprüft werden könnten.
Dass Messungen nach der angeblichen Sanierung größere Schäden zeigten als zuvor, könne durch die Mauern der alten Fabrik gekommen sein, sagte der Ingenieur: Die würden ebenfalls Chrom enthalten. Wenn man sie zerkleinert und über das Grundstück verteilt, statt sie zur Deponie zu fahren, werde der Giftstoff vor Ort freigesetzt.
Der Ermittlungsleiter vermutete, dass weiteres Material von anderen Baustellen dazukam. Das hätten Arbeiter des Angeklagten ihm gesagt.
Das Gericht muss sämtliche Zeugen persönlich befragen, den von Bodenproben zu den Labors nachverfolgen und Gutachten hören. Auch Nachbarn, Auftraggeber und Anzeigenerstatter sollen vor Gericht aussagen. Die Vorsitzende Richterin plant, den Prozess mit weiteren Terminen bis Mai 2026 fortzusetzen.
Verhandlung des Amtsgericht Wuppertal, Schöffengerichtsabteilung 16, vom 10. September 2025.
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