Dirk Lotze - Journalist
Prozess um illegalen Schutt: So entdeckte ein Ehepaar Giftmüll im Garten

Gerichtsinsel

22. September 2025: Prozess um illegalen Schutt: So entdeckte ein Ehepaar Giftmüll im Garten

Das Paar aus Solingen wollte eine Fläche aufschütten lassen, damit seine Kinder spielen konnten. Es bekam schadstoffhaltigen Abfall von einer anderen Baustelle. Ihr Fall ist Teil eines regionalen Umweltskandals. Ein angeklagter Abbruch-Unternehmer aus Solingen muss sich in einem Strafprozess verteidigen.

Kipplasterweise giftiger Schutt statt wertvoller Gartenerde - das bekam ein Solinger Ehepaar im Stadtteil Ohligs auf sein Grundstück gekippt. Verantworten muss sich dafür ein 71-jähriger Abbruch-Unternehmer aus Solingen. Er steht in einem Prozess um Vorwürfe aus sieben Städten im Bergischen Land. Die Schuttauf­schüttung am Ohligser Einfamilienhaus geriet Anfang 2022 außer Kontrolle, berichteten die Bauherren: "Es wurde immer mehr, mit richtigen Brocken drin." Eine Probe enthielt giftige Stoffe und krebserregende Dämmfasern. Die Kosten trug das Paar: "Wir mussten 30.000 Euro bezahlen, um das entsorgen zu lassen."

Die Staatsanwaltschaft klagt den 71-Jährigen an, weil er giftigen Schutt illegal auf fremden Grundstücken vergraben haben soll. Damit hätte er Kosten der Entsorgung auf Deponien gespart. Bezahlen mussten andere, bei öffentlichen Grundstücken war das die Allgemeinheit.

Das Ohligser Bauherren-Paar sagte aus: "Wir bauen zum ersten Mal. Wir haben dem Fachmann vertraut." Das heißt: Dem Angeklagten. Am Haus hätten sie einen Platz für ihre Kinder einrichten wollen, wo sie spielen könnten. Und für die Arbeit hätten sie 8000 Euro bezahlt.

Der Angeklagte und seine Arbeiter hätten beschwichtigt: "Das bleibt nicht so", und "Das wird noch gesiebt." Eine Bemerkung sei gewesen: "Wichtig ist nur die oberste Schicht."

Als Schutt drohte, auf ein Nachbargrundstück abzurutschen, beschwerte sich dessen Eigentümer bei der Bauaufsicht. Die verlangte Nachbesserungen und Bodenproben. Auf anwaltlichen Rat reichte das Bauherrenpaar Anzeige ein. Es folgte das Strafverfahren.

Zu der angeblichen Arbeit im Garten kommentierte der Architekt des Hauses: "Der Preis lag 50 Prozent unter aller Konkurrenz." Wie der Angeklagte das möglich mache, wisse er nicht. Er kenne ihn von dessen Baustellen und habe ihn erst vor sechs Wochen noch bei der Arbeit gesehen.

Der 71-Jährige Abbruch-Unternehmer hingegen nennt als Beruf Rentner. In der Verhandlung wurde bekannt, dass er bereits wegen früherer Straftaten im Gefängnis war. Für den neuen Prozess ist er in Freiheit. Er sitzt neben zwei Anwälten und hört schweigend zu. Die Staatsanwaltschaft erwartet wegen der Schwere der Vorwürfe eine Freiheitsstrafe von zwei bis vier Jahren, die in dieser Höhe immer im Gefängnis verbüßt wird.

Seit Prozessbeginn im August 2025 prüft das Gericht Beweise und Zeugenaussagen für jeden betroffenen Ort einzeln. Für die kommenden Wochen sind weitere Vernehmungen von Grundstückseigentümern, Nachbarn, Arbeitern und Bodenexperten geplant.

Das Paar zieht für sich das Fazit: Je billiger ein Angebot, desto größer das Risiko. Ihr Vertrauen gilt jetzt bewährten, großen Firmen.

Verhandlung des Amtsgerichts Wuppertal, Schöffengerichtsabteilung 16, am 17. September 2025.
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Zuletzt geändert am 24. September 2025