29. September 2025: Angeklagt für 3000 Taten: Mann steht wegen Drogenhandels vor Gericht
Den 36-jährigen aus Haan hatten Fahnder seit 2020 im Visier, dingfest machen konnten sie ihn erst vergangenen Dezember. In seiner Wohnung stellten Beamte zehn Millionen Euro sicher. Damit gehört das Verfahren zu den Top-zehn-Prozent der Fälle.
Die Polizei sicherte bei ihm rund zehn Millionen Euro in elektronischen Crypto-Währungen. Die offiziellen Vorwürfe gegen ihn umfassen eine Tabelle mit 3000 einzelnen Taten. Und das sind nur die wesentlichen Fälle. Ein 36-jähriger Angeklagter aus Haan-Gruiten muss sich vor dem Landgericht Wuppertal wegen Drogenhandels verantworten. Zum Prozessbeginn machte der Mann über den Ablauf keine Angaben, wie es sein Recht ist.
Anders als in der Drogenszene üblich ist der 36-Jährige bestens integriert in eine funktionierende Familie, die ihn in seinem Strafverfahren unterstützt. In Untersuchungshaft erhält er Besuch von Angehörigen aus vier Generationen, stellte der Vorsitzende Richter heraus.
Für die Polizei war der Mann über viereinhalb Jahre nicht zu fassen. Inzwischen gehen sie davon aus, dass er mindestens ab 2017 aktiv war: Kunden hätten über kriminelle Internet-Server bei ihm bestellt. Er hätte Drogen aller Art bis hin zu Kokain unter wechselnden Namen per Post an sie verschickt. Beamte bestellten die Mittel fünfmal verdeckt zum Schein und erhielten prompte Lieferung.
Als die Polizei ihn im Dezember 2024 schließlich doch dingfest machte, stießen die Beamten in seiner Wohnung auf eine Festplatte mit dem Krypto-Guthaben. "Zehn Millionen im Wohnzimmer", so fasste es zum Prozessbeginn der Vorsitzende Richter zusammen.
Jetzt verwahrt die Staatsanwaltschaft das Geld. Sie strebt Freiheitsstrafe von mindestens vier Jahren an, die immer im Gefängnis verbüßt werden müsste.
Das Gericht indes stellte dem 36-Jährigen eine einzigartige Chance in Aussicht: Im Hinblick auf die gute Familienanbindung könne er von der Untersuchungshaft verschont werden, die derzeit wegen Fluchtgefahr besteht. Er müsste dafür Sicherheiten hinterlegen, die beweisen, dass er nicht fliehen will und sich dem Verfahren stellt. Am besten müsste auch die Ehefrau ihre Papiere abgeben, sagte der Richter. Es könne ja sein, dass es irgendwo noch mehr Geld gebe.
Ein solches Verfahren ist in großen Drogenprozessen völlig unüblich. Die noch laufenden Ermittlungen bedeuten: Kommt der Angeklagte aus der Haft, muss er mit einer verdeckten Überwachung rechnen.
Das Landgericht will am 12. Oktober weiter mit dem Angeklagten und seinen zwei Anwälten verhandeln. Erste Zeugen sind für den dann folgenden Termin vorgesehen.
Prozessbeginn vor dem Landgericht Wuppertal, 1. Strafkammer, am 25. September 2025.
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