Dirk Lotze - Journalist
44-Jähriger für Drogenhandel in einer Werkstatt verurteilt

Gerichtsinsel

03. November 2025: 44-Jähriger für Drogenhandel in einer Werkstatt verurteilt

Den Mann aus Heiligenhaus hatte bereits 2022 ein Gericht zu einem Entzug in einer geschlossenen Klinik verurteilt, um weitere Straftaten zu verhindern. Vollstreckt wurde das von den Behörden aber nie. Jetzt stehen ihm zusätzlich drei Jahre und neun Monate Haft bevor.

Ein 44-jähriger Mann aus Heiligenhaus hat aus einer Werkstatt Drogen an seine Kunden verkauft. Währenddessen lagen Schreckschusspistolen und eine Machete in Reichweite, dazu besonders kräftige Feuerwerkskörper, die in geschlossenen Räumen gefährlich werden können. Das Landgericht Wuppertal verhängte gegen den Mann drei Jahre und neun Monate Freiheitsstrafe. Seine Drogensucht, die ihn seit der Jugend begleitet, gilt als Hintergrund der Tat. Bereits 2022 hatte das Gericht den Mann nach gleichen, illegalen Geschäften in eine geschlossene Entzugsklinik eingewiesen, um weitere Straftaten zu verhindern. Nur wurde das nie vollstreckt. Der Grund: Weil er auf freiem Fuß war, kamen ständig andere vor ihm dran – das System in Nordrhein-Westfalen sieht vor, dass inhaftierte Täter zuerst in Therapie kommen.

Der Betäubungsmittelkonsum des Mannes reicht Jahrzehnte zurück. Als Jugendlicher habe die Mutter ihn gewarnt, keine Drogen zu nehmen, berichtete er dem Gericht. Er habe sich darüber hinweggesetzt. Später habe ihm eine Freundin ihre Ansichten klar gemacht, sich aber dann doch nicht von ihm getrennt. Seine Sucht habe er sich organisiert und jeweils eine Hälfte der Drogen verkauft, die andere Hälfte mit den Einnahmen finanziert und selbst genommen. Seinen Lebensunterhalt bestreite er mit Arbeit. Von dem 2022 angeordneten Entzug habe er "nie wieder was gehört." Und ja: Er hoffe, dass seine Vermieterin ihm trotz seiner Haft die Räume lässt.

Laut einem Gerichtsarzt zeigen sich bei dem 44-Jährigen bereits körperliche Schäden durch die Sucht. Er verharmlose im Gespräch seinen Konsum, seine Drogengeschäfte und die Waffen in seinen Räumen. Dennoch sei auch jetzt noch eine Therapie nicht aussichtslos. Weil der Mann im Mai 2025 festgenommen wurde, befindet er sich jetzt seit zweieinhalb Wochen in einer Entziehungsklinik.

Mit seiner Urteilsverkündung zog der Vorsitzende Richter ein bitteres Fazit: "Wie es jetzt weitergeht, da will ich mich hier nicht aus dem Fenster lehnen." Die Vollstreckung sei Aufgabe der Staatsanwaltschaft. Nach dem Stand des Verfahrens ist nicht ausgeschlossen, dass der Mann die begonnene Therapie abbrechen muss, um seine Haft anzutreten. Auch wenn das laut Gutachten des Arztes der denkbar schlechteste Verlauf wäre.

Für die Entziehungskliniken in Nordrhein-Westfalen sind die Landschaftsverbände als regionale Selbstverwaltungseinrichtungen zuständig. Die Aufsicht übernimmt das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales. Auf Anfrage erklärte eine Sprecherin, dass seit 2012 weitere Kliniken ausgebaut werden. Eine Klinik im Kreis Steinfurt nahm 2023 den Betrieb auf, in Lünen und Wuppertal seien weitere geplant: "Die Zahl der vom nordrhein-westfälischen Justizministerium gemeldeten, auf die Aufnahme wartenden Personen wurde seit Anfang 2024 um 75 Prozent reduziert."

Vorgezogen würden Patienten, wenn sie in Haft säßen - dann nämlich, wenn die nicht länger dauern dürfte oder es um die Sicherheit der Allgemeinheit gehe.

Das Justizministerium weist darauf hin, dass es seit der Gesetzesänderung 2023 weniger Probleme bei der Unterbringung in Therapien gibt. Kritiker sehen darin allerdings, dass mehr suchtkranke Straftäter unbehandelt inhaftiert werden und so die Gefängnisse belasten.

Im Fall des 44-Jährigen aus Heiligenhaus berichtete die Staatsanwaltschaft: Sie habe wegen seines Therapieplatzes regelmäßig nachgefragt, doch erst im Sommer, als der Mann wieder in Haft war, ein Ergebnis erhalten.

Belastete Entziehungskliniken

Die Situation in den Entziehungskliniken in Nordrhein-Westfalen bleibt angespannt.

Zum 1. Oktober 2025 waren in Nordrhein-Westfalen 1008 Personen zur Drogentherapie in geschlossenen Entziehungskliniken untergebracht.

In Fällen mit leichterer Kriminalität können Drogenkranke Haft vermeiden, indem sie sich selbstständig in Behandlung begeben.

Der Spatenstich für die geplante, geschlossene Klinik in Wuppertal ist für das erste Quartal 2026 vorgesehen.

Urteil des Landgerichts Wuppertal, 2. Strafkammer, vom 3. November 2025.
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Zuletzt geändert am 06. November 2025