Dirk Lotze - Journalist
So kam ein Drogenhändler zu seinem ungewöhnlichen Vermögen von zehn Millionen Euro in Crypto-Währung

Gerichtsinsel

03. November 2025: So kam ein Drogenhändler zu seinem ungewöhnlichen Vermögen von zehn Millionen Euro in Crypto-Währung

Der 36-Jährige Mann aus Haan lagerte das Geld auf einem Datenträger in seinem Wohnzimmer, ohne es anzutasten. Laut Gericht beging er tausende Fälle von Drogenverkauf, nicht um sich Luxus zu verschaffen, sondern "weil er es konnte." Nun soll er viereinhalb Jahre in Haft; das Geld zieht der Staat ein.

Ein 36-jähriger Mann aus Haan muss für vier Jahre und sechs Monate in Haft, weil er in mehr als 2000 Fällen Cannabis und andere Drogen über das Internet verkauft hat. Dazu hat ihn das Landgericht Wuppertal diese Woche verurteilt. Das Ungewöhnliche an seinem Fall ist das immense Vermögen, das der Familienvater auf einem Datenträger in seinem Wohnzimmer liegen hatte: Bitcoin und weitere Crypto-Währung für zehn Millionen Euro, die er über Jahre nicht angetastet hat. Zu dem Drogenhandel stellte der Vorsitzende Richter klar: "Wenn man sich fragt, warum er das gemacht hat, gibt es nur einen Grund: Weil er es konnte."

Crypto-Geld funktioniert wie ein Bankkonto, aber anonym. Die Beträge kommen über das Internet. Laut Gericht hat der Mann aus Haan für seine Drogenverkäufe den Gegenwert von 300.000 Euro von seinen Kunden bekommen. Der Rest stamme aus der immensen Wertsteigerung dieses Geldes durch Kursschwankungen über die Jahre.

Laut Geständnis verkaufte der 36-Jährige ab 2014 zunächst Cannabis, das er beim eigenen Anbau als Überschuss erhielt. Ein damaliger Mitbewohner habe ihn in den verschlüsselten Teil des Internets eingeführt, ins sogenannte Darknet. Später habe er Amphetamin und weitere Drogen mit in sein Angebot gekommen. In einzelnen Fällen ging es um Kokain, aber die meisten Geschäfte sollen sich um weniger süchtig machende Drogen und Beträge bis 100 Euro gedreht haben. Aufgehört habe er mit den Geschäften, als er Vater wurde.

Der Mann war eine Ausnahme-Erscheinung in einem Drogenprozess: Er ist selbst Konsument, aber nicht suchtkrank. Anders als andere steht er nicht allein: Ehefrau und Vater begleiteten ihn an jedem Sitzungstag vom Publikum aus. Laut Vorsitzendem erhielt er im Gefängnis Besuch von Angehörigen aus vier Generationen. Und er sprach einen Satz, der zehn Millionen Euro wert war: "Ich verzichte auf die Herausgabe der Crypto-Währung."

Er hätte das Geld ohnehin nicht zurück bekommen, stellte der Vorsitzende Richter klar. Der freiwillige Verzicht mache das Verfahren aber einfacher, die Einziehung eindeutiger und bringe mildere Strafe.

Ein dermaßen großer Betrag in Crypto-Währung ist nach derzeitigem Stand der Geldmärkte jederzeit leicht in jede beliebige Währung zu tauschen. Wenn man ihn überweist, fällt er aber sofort den Behörden auf, selbst wenn man das portionsweise macht. Der Haaner hat das Geld laut Gericht "in der Ecke liegen lassen", weil er wenig Interesse daran hatte, sich jedenfalls aus dem Profit nichts gemacht habe. Es gebe keine Zeichen von Luxus bei ihm. Er habe einfach die Abwicklung beherrscht und verstanden, über Jahre unentdeckt zu bleiben, stellte das Gericht fest. Deshalb hätte er über Jahre weitergemacht, so lange sich in seinem Leben nichts änderte.

Der Vorsitzende dankte ausdrücklich der Kriminalpolizei in Oldenburg, die die Spur 2020 entdeckte und bis zur Aufklärung 2024 weiter verfolgte.

Der 36-Jährige kam mit dem Urteil ausnahmsweise unter Auflagen auf freien Fuß. Er muss die Strafe später zur Resozialisierung im Gefängnis antreten, wenn sie bestätigt wird.

Urteil des Landgerichts Wuppertal, 1. Strafkammer, vom 3. November 2025.
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Zuletzt geändert am 06. November 2025