Dirk Lotze - Journalist
Landgericht ringt mit Prozess um Angriff auf Politesse

Gerichtsinsel

10. November 2025: Landgericht ringt mit Prozess um Angriff auf Politesse

Eine angeklagte Geschäftsfrau soll in Solingen wegen eines Parkknöllchens eine Mitarbeiterin des Ordnungsamts so geschlagen haben, dass deren Schulter operiert werden musste. Das Gericht muss den Vorfall aufklären, aber ständig fehlen Zeugen und Antworten bleiben aus – zuletzt vom städtischen Klinikum. Seit sechs Wochen stockt die Verhandlung. Sichtlich genervt kündigte der Vorsitzende Richter an: "Ich bin jetzt soweit, dass ich als Nächstes den Chefarzt vorlade."

Ein Fall um Angriff auf eine Solinger Ordnungsamts-Mitarbeiterin stellt das Landgericht Wuppertal auf die Probe. Eine 51-jährige Geschäftsfrau soll eine Parkraumüberwacherin wegen eines Knöllchens so geschlagen haben, dass eine Schulteroperation nötig wurde. Seit sechs Wochen fehlen Zeugen, Antworten auf Fragen des Gerichts bleiben aus – zuletzt vom Solinger Klinikum. Sichtlich frustriert kommentierte der Richter beim vierten Verhandlungstag am Montag: "Es gestaltet sich zunehmend mühsam", und fügte kurz darauf hinzu: "Ich bin jetzt soweit, dass ich als Nächstes den Chefarzt vorlade."

Er kündigte an, die Ladung als erledigt zu sehen, wenn endlich auf seine sechs Wochen alte Mail geantwortet wird.

Der Vorfall am Rand der Innenstadt-Fußgängerzone ereignete sich an einem Wochentagsmittag im Herbst 2021. Die Geschädigte notierte in der Innenstadt den falsch parkenden Kombi der Angeklagten. Die 51-Jährige soll aus ihrem Laden gekommen sein, gestikuliert und gefordert haben, die Verwarnung zu streichen. Dabei soll sie die Ordnungsamtsmitarbeiterin mit der Faust geschlagen haben.

Während dessen setzte ein unbekannter Mann den Kombi um und fuhr dabei über den Fuß der Geschädigten. Seine Identität ist noch unklar und die Ermittlungen laufen. Die Verletzte rief Polizei und Kolleginnen und ließ sich ins Klinikum bringen. Die Schulter-Operation wurde erforderlich, weil die Beschwerden blieben.

Es folgten eine Verhandlung am Amtsgericht, Geldstrafe und nun der Prozess am Landgericht. Die Angeklagte bestreitet die Tat; es gibt kein Video, aber viele Zeugen. Die Geschädigte bekräftigte ihre Aussage und berichtete aufgewühlt, wie ihr der lange Prozess zusetzt. Sie hoffe auf Gerechtigkeit und eine Entscheidung, die ihr Leid anerkennt. Das Landgericht will die Tat aufklären und feststellen, wie schwer die Schulterverletzung ist.

Den Ablauf im Prozess kommentierte der Vorsitzende Richter hörbar frustriert: "Bei allem Verständnis für die Überlastung im Klinikum - ich finde das ... ach, denken Sie sich ein Wort." Er rufe inzwischen täglich dort an.

Der Richter setzte zwei Fortsetzungstermine bis Weihnachten für Zeugenaussagen an. Die Verletzte verfolgte das sichtlich mit sich ringend vom Platz neben ihrem Anwalt aus. Sie wartete anschließend weinend vor dem Gerichtsgebäude auf ihre Angehörigen.

Verhandlung des Landgerichts Wuppertal, 9. Strafkammer, vom 10. November 2025.
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Zuletzt geändert am 13. November 2025