12. November 2025: Einschüchterung im Prozess um Mordversuch? Detektivfotos tauchen in Handy-Nachrichten auf
Ein 40-jähriger Mann wird verdächtigt, er habe am Solinger Landwehr einen Gegner mit einem SUV töten wollen. Während des Verfahrens haben Detektive den Verletzten fotografiert, um dessen Angaben zu überprüfen. Diese Bilder sind nun in Handy-Nachrichten aufgetaucht. Sie zeigen Angehörige und den Anwalt des Verletzten in Großaufnahmen - und sie könnten den Ausgang des Prozesses beeinflussen.
Im Prozess um Mordversuch mit einem Geländewagen am Landwehr in Solingen sind Fotos vom Geschädigten und seinen Angehörigen in Handy-Nachrichten aufgetaucht. Die Aufnahmen hatten Detektive für die Verteidigung des 40-jährigen Angeklagten angefertigt. Sie sollen im Landgericht Wuppertal Zweifel an Aussagen des Verletzten fördern. Die Bilder und der Beobachtungsbericht sind Teil der Gerichtsakte. Der Geschädigte erhielt sie in der vergangenen Woche auf sein Handy und leitete sie an seinen Anwalt weiter. Der sagte gegenüber unserer Zeitung: "Von mir hat er die Fotos nicht."
Laut dem offiziellen Vorwurf soll der 40-Jährige am 18. Januar 2025 seinen Gegner vor einer Fitnesseinrichtung gezielt angefahren haben, um zu töten. Der zehn Jahre ältere Geschädigte wurde schwer verletzt, Zeugen riefen den Rettungsdienst. Ein erfahrener Bauarbeiter zeigte sich im Gericht sichtlich bewegt, als er sich für seine Aussage das Geschehen noch einmal vor Augen rief. Nach Angaben des Verletzten soll Streit bestanden haben, weil der Angeklagte angeblich mit Drogen handele. Beide Männer sind entfernt miteinander verschwägert. Der Angeklagte bestreitet, gefahren zu sein; der Geschädigte hingegen behauptet, ihn eindeutig erkannt zu haben.
Die Fotos der Detektive sollen belegen, dass der 50-jährige Geschädigte nicht mehr so stark verletzt ist, wie der Rollstuhl nahelegt, mit dem er im Gericht auftritt. Er soll vielmehr selbstständig gehen können. Darüber hinaus können die Aufnahmen einschüchtern: Sie zeigen Angehörige des Mannes nah und in Großaufnahmen vor dem Gericht. Betroffen ist auch sein Anwalt.
Anders als in anderen Prozessen hatte die Polizei bereits vor zwei Wochen einen Warnanruf verzeichnet: Eine Gruppe fahre zum Gericht, um Druck aufzubauen. Eine Suche ergab damals keine Angreifer, aber jetzt sind die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt. Eine Gefahr für Justiz und Besucher soll ausgeschlossen werden.
Im Prozess hat aktuell ein Experte für Wiedererkennung drei Brüder und den Vater des Angeklagten mit Sicherheitsvideos vom Tatort verglichen. Die Videos seien zu schlecht für eine Aussage, stellte er fest: "Ich kann keinen von ihnen als Fahrer ausschließen."
Zum nächsten Termin am Donnerstag, dem 13. November 2025, sollen die Detektive und weitere Zeugen aussagen.
Verhandlung des Landgerichts Wuppertal, 5. Strafkammer, am 12. November 2025.
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