18. November 2025: Fabriken für unversteuerte Zigaretten: 46-Jähriger steht als Mitorganisator vor Gericht
Der 46-jährige Mann soll mit anderen zusammen in Velbert und Radevormwald die Produktion von mehr als 17 Millionen Zigaretten an der Steuer vorbei geplant und aufgebaut haben. In einem verdeckten Betrieb in Radevormwald und einem weiteren in Velbert sollen Arbeiter festgehalten worden sein, ohne dass sie die Hallen verlassen durften. Zum Prozessbeginn bestreitet der Mann die Vorwürfe - er habe nur die Gebäude vermietet.
Ein 46-jähriger Geschäftsmann soll die Produktion gefälschter Markenzigaretten 2024 in Velbert und Radevormwald mitorganisiert haben. Er soll die Hallen für die Taten gekauft und Millionenbeträge an Tabaksteuer hinterzogen haben. Nun muss er sich vor dem Landgericht Wuppertal verantworten. Zum Prozessbeginn standen sich Staatsanwaltschaft und Verteidigung mit scharfen Worten gegenüber.
"Ziel war, sich so umfassend wie möglich zu bereichern", erklärten die beiden Staatsanwälte im Saal über den 46-Jährigen. Die Verteidigung hielt dagegen: Die Schlüsse seien falsch, denn die Annahmen würden nicht belegen, dass er persönlich Zigaretten hergestellt habe: "Er war nur der Vermieter."
Dass es die illegale Produktion von mehr als 17 Millionen Zigaretten unter falschen Markennamen gab, steht rechtskräftig fest. Nach Razzien vom Oktober 2024 wurden in diesem Frühjahr 19 Mitarbeiter abgeurteilt. Sie waren in Bulgarien, Rumänien und Moldau mit falschen Versprechungen auf legale Arbeit angeworben worden. Vor Ort mussten sie ihre Handys und Pässe abgeben. Sie wurden in den Hallen festgehalten und durch Helfer versorgt.
Während die Mitarbeiter vor Gericht standen liefen die Ermittlungen weiter. In der Folge wurde der 46-Jährige festgenommen. Er ist verheiratet und sitzt in Untersuchungshaft. In seinem Fall strebt die Staatsanwaltschaft mehr als vier Jahre Freiheitsstrafe an: Er habe persönlich daran mitgewirkt, dass die Produktionshallen überwacht und gegen Außenstehende abgesichert wurden. Er soll mit weiteren Personen das System geplant und betrieben haben, das vorsah, die Zigaretten ins europäische Ausland zu verkaufen.
Die Verteidigung des Mannes kontert: Wenn es um Tabaksteuer gehe, sei klar, wer die bezahlen müsse: Derjenige, der die Zigaretten herstellt oder dabei hilft. Nichts davon treffe auf den 46-Jährigen zu, erklärte einer der Anwälte: "Die Anklage genügt nicht."
Durch die Rüge wird der Ablauf der Verhandlung zunächst nicht beeinflusst, sie kann aber später noch eine Rolle spielen. Der 46-Jährige äußerte sich nicht persönlich zu den Vorwürfen. Mit seinen Anwälten beriet er sich sachlich und im selbstverständlichen Ton, wie es bei Geschäftsverhandlungen üblich ist.
Das Gericht hat zunächst neun weitere Sitzungstage vorgesehen.
Nachtrag: Der Angeklagte hat am 20. November 2025 angekündigt, dass er seine bisherige Haltung aufgibt und umfassend gestehen will. Dafür haben sich Staatsanwaltschaft und Verteidigung mit dem Gericht geeinigt: Die Strafe für den Mann soll zwischen mindestens drei Jahren und zehn Monaten und höchstens vier Jahren und sechs Monaten liegen, abhängig davon, wie detailreich er aussagt. Sein Auftritt dafür soll am 27. November 2025 erfolgen.
Prozessbeginn vor dem Landgericht Wuppertal, 6. Strafkammer, vom 18. November 2025.
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