27. November 2025: Angeklagter gesteht: Er stand hinter unangemeldeten Zigarettenfabriken
Im Oktober 2024 flog in Velbert und Radevormwald eine illegale Zigarettenproduktion für den europäischen Schwarzmarkt auf – mit illegalem Millionen-Vorteil bei der Tabaksteuer. Der 46-jährige Angeklagte gibt nun vor dem Landgericht Wuppertal zu, dass er mitorganisiert hat. Mit seinen Angaben hoffe er auf milde Strafe. Er denke daran, dass seine Partnerin ein Kind von ihm erwartet. Laut Gericht muss der Mann nun mit rund vier Jahren Haft rechnen.
Am Prozessstart gab der 46-Jährige zunächst nur zu, Hallen vermietet zu haben. Zur Fortsetzung seiner Verhandlung legte der Mann nun ein Geständnis nach: Er habe bei unangemeldeten Zigarettenfabriken in Velbert und Radevormwald doch mitorganisiert, die Vertriebswege geklärt und vor Ort Abläufe geregelt, wie es ihm die Staatsanwaltschaft vorwirft. Zu der Wendung stellte einer seiner Anwälte vor den Richterinnen und Richtern im Landgericht Wuppertal klar: "Er hat die Abläufe von sich aus wissentlich unterstützt."
Technisches Hilfswerk entsorgte sichergestellte Zigaretten
Die Fabriken waren im Oktober 2024 von Zoll, Polizei und Finanzbeamten ausgehoben worden, mehr als 300 Einsatzkräfte waren dafür nötig. Die Behörden gehen von 4,9 Millionen Euro illegalem Steuervorteil aus. Das Technische Hilfswerk transportierte mehrere Tonnen fertige Zigaretten sowie unversteuerten Tabakfeinschnitt ab. Der nun angeklagte 46-jährige Mann wurde im Frühjahr diesen Jahres festgenommen, als der Prozess gegen 19 Männer lief, die vor Ort festgenommen worden waren. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft.
Tabaksteuererklärungen für 4,9 Millionen Euro nicht abgegeben
In seinem Strafprozess geht es ausschließlich um die fehlenden Steueranmeldungen und den unrechtmäßigen Vorteil für die Tätergruppe. Dafür muss der Mann laut Gericht mit rund vier Jahren Haft rechnen. Wenn er verurteilt wird, muss er zudem für die Steuerbeträge haften und nachzahlen. Außen vor bleiben gesundheitliche Gefahren für die Verbraucher und Schaden für Tabakindustrie und Händler, die solche illegalen Steuervorteile nicht haben. Ebenfalls nicht Thema sind die Arbeitsbedingungen in den nach außen abgesicherten Hallen, wo die nicht bei den Sozialkassen angemeldete Belegschaft auch schlief.
Gedanke an schwangere Lebenspartnerin brachte die Wende
Im Saal sagte der 46-Jährige, er habe seit dem Verhandlungsbeginn an seine schwangere Partnerin gedacht. Deshalb wolle er mit dem Geständnis mildere Strafe erreichen. Währenddessen suchte er Blickkontakt zu ihr. Die Frau hatte Angehörige ins Publikum mitgebracht, denen er zuwinkte.
Die Anwälte des Mannes hingegen bekräftigten: Aus ihrer Sicht hätte das Gericht den Mann ohne sein Geständnis rechtlich nicht überführen können. Nur wolle der 46-Jährige sein Verfahren nun anders führen als zu Beginn, sagte einer der Verteidiger: "Das ist ein Mandantenwunsch, den ich zu respektieren habe."
Staatsanwalt kritisiert zurückhaltende Aussage
Ein Staatsanwalt kritisierte, der Mann gestehe nur so weit, wie es den Ermittlungsergebnissen entspricht. Er fragte den 46-Jährigen, warum er über seine eher sichere Rolle als Vermieter hinausgegangen ist: "Warum sind Sie das Risiko eingegangen, entdeckt zu werden, wie es dann ja auch gekommen ist?" Die Frage ließ der Angeklagte unbeantwortet.
Das Gericht wird das Geständnis überprüfen und hat noch sechs Fortsetzungstermine bis Januar 2026 vorgesehen.
Fortsetzungstermin vor dem Landgericht Wuppertal, 6. Strafkammer, vom 27. November 2025.
Ich berichte vom Besuch der Verhandlung
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