16. Dezember 2025: Prozess um Mordversuch: Solinger nennt Brandmord am Grünewald als sein Vorbild
Im Prozess nach dem Großeinsatz an der Schützenstraße Ende Mai 2025 hat der 53-Jährige gestanden. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, im Treppenhaus seines Wohnhauses eine brennbare Flüssigkeit ausgebracht zu haben, um seine Nachbarn zu töten. Der Angeklagte sagte, er habe seine Lebenssituation als ausweglos empfunden – und habe zeitweise sogar über einen Terroranschlag nachgedacht.
Nachbarn flüchteten ins Freie
Am Tatmorgen war die Solinger Schützenstraße in dichtes Blaulicht getaucht. Feuerwehr und Polizei mit Spezialkräften standen vor dem Mehrfamilienhaus, aus dem verängstigte Familien ins Freie flüchteten. Es lag Gasgeruch vor, im Hausflur war mutmaßlich Spiritus verteilt, an den Türklinken klebte Brennpaste. Niemand wusste, ob es gleich zu einer Explosion kommen würde.
Geständnis im Gerichtssaal
Im Landgericht Wuppertal sitzt nun der Mann auf der Anklagebank, der damals in seiner Wohnung zurückblieb und für den die Polizei gekommen war. Der 53‑Jährige, ein früherer Nachbar, hat gestanden: Er habe den Brand vorbereitet und zweimal mit Streichhölzern zu zünden versucht. Ohne Hilfe seiner Rechtsanwältin beschrieb der Mann im nüchternen Ton: Er hatte sich den vierfachen Brandmord von der Grünewalder Straße aus dem Vorjahr zum Vorbild genommen, bei dem eine vierköpfige Familie zu Tode gekommen war: "Ich habe das in den Medien gesehen und gedacht: Das ist doch nicht übel."
Das Haus sollte unbewohnbar werden
Seiner Aussage zufolge sollte das Haus unbewohnbar werden. Lediglich als Todesopfer hätte er sich nur selbst vorgestellt, der er in der obersten Etage wohnte. Er fügte hinzu: "Ich habe mir auch einen terroristischen Angriff überlegt, aber das war nichts für mich." Am Tag des islamistischen Messerangriffs auf dem Solinger Stadtfest sei er auf dem Festplatz dabei gewesen.
Gericht und Staatsanwaltschaft hörten den Mann zunächst kommentarlos an. Am Ende der Aussage fuhr ein Zuschauer auf und erklärte im Publikum: "Es ist unerträglich."
Nur durch Zufall keine Katastrophe
Die Staatsanwaltschaft wirft dem 53-Jährigen vor, er habe überhaupt nicht übersehen können, wie viele Personen er gefährdet: "Nur durch Zufall ist es nicht zum Brand gekommen."
Die Geschädigten Nachbarn sollen später im Prozess aussagen. Bei der Polizei sollen sie den 53-Jährigen als "auffällig" bezeichnet haben. Ob sie im Nachhinein womöglich Warnzeichen erkannt haben, ist noch nicht öffentlich bekannt. Ein Anwalt der Geschädigten fragte beim Angeklagten gezielt nach, weil einige Bewohner ausländischen Hintergrund haben. Der Angeklagte wies einen Zusammenhang zurück: "Das war mir vollkommen egal. Drei Viertel von denen sind sowieso Deutsche."
Krankheit und Kampf mit Behörden seit 2006
Der Angeklagte sitzt in Untersuchungshaft und erschien zum Prozessbeginn mit einem Rollator im Saal. Seiner Aussage zufolge hätte sich sein Gesundheitszustand seit 2006 immer weiter verschlechtert. Er habe Schwierigkeiten mit Ärzten, Behörden und Krankenkassen durchgekämpft und nannte das einen "Marathon". Das sei aus seiner Sicht Hintergrund seiner Tat.
Das Gericht hat Zeugenaussagen und Gutachten zunächst bis kommenden Montag vorgesehen.
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Prozessbeginn vor dem Landgericht Wuppertal, 5. Strafkammer, vom 16. Dezember 2025.
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