Dirk Lotze - Journalist
Versuchter Brandmord: Rückzug und Schmerzmittel prägten den Angeklagten

Gerichtsinsel

18. Dezember 2025: Versuchter Brandmord: Rückzug und Schmerzmittel prägten den Angeklagten

Laut Geständnis goss der 53-Jährige Grillanzünder auf die hölzerne Treppe seines Miethauses und versuchte, ihn anzuzünden. Unter Tränen berichteten Nachbarn vor dem Landgericht Wuppertal von ihrer panischen Flucht – sie hätten vor dem Mann schon zuvor Angst gehabt. Der Gerichtspsychiater erklärte: Durch Dauerschmerzen sei seine Persönlichkeit verändert gewesen – was er tat habe er nur noch teilweise steuern können.

Der gefürchtete Nachbar aus der Dachwohnung

Nachbarn begegneten ihm selten im Treppenhaus – schon beim Einzug hätten frühere Bewohner sie gewarnt, weil man mit ihm leicht in Streit geriet. So beschreiben Anwohner der Solinger Schützenstraße den 53-jährigen Angeklagten: Er lebte zurückgezogen in der obersten Etage, zeigte sich betrunken – manchmal sogar in Unterwäsche. "Ich habe mich nicht mehr allein zum Dachboden getraut", sagte eine Frau im Landgericht Wuppertal aus. Sie musste für diesen Weg an seiner Wohnungstür vorbei und habe Angst gehabt, ihm zu begegnen.

Der Versuch, alles in Flammen zu setzen

Vor Gericht hat der Mann gestanden: Er goss am frühen Morgen des 31. Mai 2025 Grillanzünder auf die hölzerne Treppe seines Miethauses und versuchte, ihn anzuzünden. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm versuchten Mord in dem vollbesetzten Haus vor – lebenslange Freiheitsstrafe ist möglich. Laut einem Gerichtspsychiater ist das Leben des Mannes geprägt von dauerhaften Schmerzen nach einem Unfall, die seine Persönlichkeit verändert hätten. Er habe versucht, Schmerztabletten mit Alkohol zu verstärken. Der 53-Jährige sagt, aus seiner Sicht hätte das Haus in Rauch und Flammen unbewohnbar werden sollen, und er wäre in der obersten Etage gestorben.

Panik weckt aus dem Schlaf

Auch ohne das Feuer waren die Folgen entsetzlich. Eine Seniorin sagte, sie habe ihren Mann geweckt, nachdem jemand wegen Gasgeruchs panisch gerufen hatte: "Alle raus! Schnell, sonst verbrennen wir!" Ihre Tochter sagte aus, sie fahre immer noch mitten in der Nacht aus dem Schlaf hoch: "Ich denke, ich höre meinen Vater schreien", sagte sie weinend im Saal. Wegen der Angst könne sie ihren Beruf nicht mehr ausüben, und sie habe sich für eine Therapie angemeldet.

Der Hilfsversuch der Mutter scheiterte

Laut den Aussagen hatte die Mutter des Mannes versucht, mit ihm zu sprechen – gebracht habe es nichts. Über die Streitereien im Haus hätten Nachbarn zeitweise hinweg geblickt: Sie seien froh gewesen, ihre Wohnungen zu haben.

Gericht prüft Schuldfähigkeit

Der Gerichtspsychiater fasste zusammen: Der Mann habe gewusst, dass er den Brand nicht legen durfte. Er habe aber nur noch auf sein Ziel hinarbeiten können: dabei zu sterben.

Diese eingeschränkte Schuldfähigkeit darf das Gericht bei seinem Urteil berücksichtigen. Geschädigte zeigten sich am Ende des Sitzungstages fassungslos darüber. Das Landgericht will am Freitag, dem 19. Dezember sein Urteil verkünden.

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Zweiter Verhandlungstag vor dem Landgericht Wuppertal, 5. Strafkammer, am 18. Dezember 2025.
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Zuletzt geändert am 18. Dezember 2025