Dirk Lotze - Journalist
"Das Feuer treffe die Richtigen": Verdächtiger nach Brand an polnischem Supermarkt in U-Haft – Polizei verneint politisches Motiv

Gerichtsinsel

07. Januar 2026: "Das Feuer treffe die Richtigen": Verdächtiger nach Brand an polnischem Supermarkt in U-Haft – Polizei verneint politisches Motiv

Am 29. Dezember 2025 wollte ein 26-jähriger wohnsitzloser Mann in Wuppertal-Barmen ein Wohnhaus mit einem polnischen Supermarkt in Brand setzen: Davon geht die Staatsanwaltschaft aus. Am Rand des Löscheinsatzes an der Zwinglistraße soll der Mann gesagt haben: „Das Feuer treffe die Richtigen“, auf die Polizei soll er mit Reichsbürger-Parolen reagiert haben. Trotz Prüfung durch Spezialermittler gilt vorläufig kein politisches Motiv des Mannes als erwiesen. In einer Aussage soll er Streit mit dem Ladenbesitzer wegen einer Alltagsbegegnung genannt haben.

Ein Zeuge hatte den Brand kurz nach 19.50 Uhr bemerkt und den Objektschutzposten der Polizei an der nahe gelegenen Synagoge alarmiert. Ein Beamter eilte herbei, zog die brennende Mülltonne vom Haus weg und erlitt dabei eine leichte Verletzung, die später ambulant behandelt werden musste. Er kontrollierte noch den in der Nähe stehenden 26-Jährigen, weil der das Feuer lautstark billigte. Später wurden an diesem Mann Brandspuren festgestellt. Bei der Kontrolle äußerte er sich mit typischen Reichsbürger-Sprüchen, wie dass die Polizei Teil einer Firma sei und keine Befugnis habe. Während er ins Präsidium gebracht wurde, soll er weiter provoziert haben.

Geschädigte mit internationalem Hintergrund

Das Haus an der Zwinglistraße bewohnen Familien mit teils internationaler Geschichte, der polnische Supermarkt befindet sich im Erdgeschoss. Durch das schnelle Eingreifen blieb der Schaden mit geschätzt 500 Euro gering. Das Feuer soll aber durch einen Pappstapel am Laden und ein Vordach gefährlich gewesen sein. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der 26-Jährige keinen Brandmord versucht hat, weil beim Angriff noch nicht Nachtruhe war und weil der Tatort vom belebten Alten Markt aus zu sehen war. Er habe aber gewollt, dass das Haus schwer beschädigt wird, sagte ein Sprecher der Behörde.

26-Jähriger gibt Streit mit Ladeninhaber als Auslöser an

Weiter laut Staatsanwaltschaft hat die Polizei geprüft, ob ein politisches Motiv vorliegen kann. Das ist nach Ermittlungsfehlern bei früheren Bränden in Wuppertal und Solingen seit 2025 Standard, wenn Personen mit Migrationsgeschichte betroffen sind. Bei dem 26-Jährigen hätten sich aber über die Umstände bei dem Brand und dem Löscheinsatz hinaus keine Anhaltspunkte ergeben. Der Mann selbst soll in Vernehmungen beschrieben haben, er habe nach einer Alltagsbegegnung mit dem Inhaber des Ladens Streit.

Haftgrund Fluchtgefahr

Über nächste rechtliche Schritte entscheidet die Staatsanwaltschaft, sobald die Ermittlungen abgeschlossen sind. Der 26-Jährige befindet sich weiter in Untersuchungshaft wegen versuchter besonders schwerer Brandstiftung. Haftgrund ist Fluchtgefahr, weil er keinen Wohnsitz hat.

"Reichsbürger" ist ein Sammelbegriff, den der Verfassungsschutz für verschiedene Gruppen verwendet, die den Staat als angeblich nicht legitimiert ablehnen. Sie berufen sich zum Teil auf eine angeblich noch gültige Verfassung aus dem deutschen Kaiserreich; Teile der Szene sind rechtsextrem, rassistisch und ausländerfeindlich.

Die Opferbeauftragte NRW vermittelt kostenlose Beratung, Krisenintervention und Weiterhilfen für Geschädigte von Straftaten. Die Opferhotline ist kostenlos erreichbar unter Telefon 0800 3345667 oder poststelle@opferbeauftragte.nrw.de – bei akuten Notfällen rufen Betroffene die Polizei (110) oder die Feuerwehr (112).

Ich berichte aufgrund einer Leseranfrage anhand von Behördenmitteilungen und ergänzender Auskunft eines Pressesprechers. In einer früheren Fassung des Artikels wurde der Ablauf beim Einsatz in einem Detail nicht zutreffend beschrieben. Auf die Abweichung wies die Staatsanwaltschaft hin.


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Zuletzt geändert am 07. Januar 2026