Dirk Lotze - Journalist
Berauscht auf Schmuggelfahrt: Landgericht beginnt Drogenprozess

Gerichtsinsel

26. Januar 2026: Berauscht auf Schmuggelfahrt: Landgericht beginnt Drogenprozess

Auf Solingens vielbefahrener Autobahn A3 fuhr der 45-jährige Angeklagte so auffällig, dass ihn die Polizei anhielt. Im Kofferraum: Drogen für mehr als eine Million Euro. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass er suchtkrank ist, übernächtigt war und bei der Fahrt selbst unter Betäubungsmitteln stand.

Er fuhr auf der Solinger A3 dermaßen auffällig vor einem Streifenwagen der Polizei, dass ihn die Beamten sofort anhielten. Dabei lagen mutmaßliche Designerdrogen für mehr als eine Million Euro in seinem Kofferraum. Die neuartigen Stoffe sollen Verbotslücken nutzen, bevor sie geschlossen werden. Ausgerechnet für seine Schmuggelfahrt aus Holland nach Frankfurt am Main soll sich ein 45-jähriger Kurier unter berauschende Mittel gesetzt haben. Die Vorwürfe müssen noch bewiesen werden; seit Montag steht er vor dem Landgericht Wuppertal.

5000 Fahrzeuge sind tagsüber stündlich auf der Autobahn bei Solingen unterwegs

Der Tatort ist einer der am meisten befahrenen Strecken Deutschlands. Bei der Fahrt mittags am 1. August 2025 nutzten pro Stunde 5000 Fahrzeuge den Abschnitt bei Solingen. Hauptpunkt im Prozess ist nicht die Gefahr, sondern der Drogenvorwurf: Bei den 40 Kilogramm aufputschenden Ketamins aus dem Auto handelte es sich um einen Großtransport, gemessen an der Statistik des Bundeskriminalamts. Dazu kam noch mehr als 66.000 Portionen MDMA. Die Substanzen werden in der Partyszene konsumiert, aber ebenso von Angestellten und Handwerkern gegen Stressgefühle. Die Staatsanwaltschaft strebt mehr als vier Jahre Freiheitsstrafe an.

Übernächtigt die Grenzkontrollen durchquert

Während der Ermittlungen soll der als suchtkrank geltende Mann ausgesagt haben. Er habe mehrere Tage schlaflos verbracht und habe sich entschlossen, für zwei namentlich unbekannte Auftraggeber zu fahren. Dadurch habe er sich Drogen kaufen wollen. Nördlich von Amsterdam habe ihm einer der Hinterleute drei Reisetaschen übergeben. Damit habe er dann allein die verschärften Kontrollen der niederländischen Grenzgendarmerie und der Bundespolizei durchquert.

Gericht prüft Einweisung in Entziehungsklinik

Für den Prozess verhandelt das Gericht nichtöffentlich, weil es um die mögliche Einweisung in eine Entziehungsklinik geht und um sensible Lebensumstände des Mannes. Das hatte sein Verteidiger beantragt. Der Staatsanwalt wandte zunächst ein: "Die Öffentlichkeit dient dem Schutz des Angeklagten." Nicht alle Themen seien empfindlich, fügte er hinzu, schloss sich dann aber doch an. In dem Fall sollen sämtliche Punkte miteinander verwoben sein, führt der Verteidiger an.

Angehörige hören im Zuschauerraum zu

Der 45-Jährige saß sichtlich unsicher zwischen seinem Anwalt und einem Dolmetscher für Holländisch und will im Prozess aussagen. Angehörige unterstützten ihn vom Publikum aus, bis auch sie den Saal verlassen mussten.

Das Gericht hat einen Fortsetzungstermin am 4. Februar vorgesehen und will zum Abschluss sein Urteil öffentlich verkünden.

Verhandlungsbeginn vor dem Landgericht Wuppertal, 3. Strafkammer, vom 26. Januar 2026.
Ich berichte vom Besuch des Termins, außerdem anhand von Mitteilungen des Zolls und der Statistik des Bundeskriminalamts und des Bundesamts für Straßenwesen.


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Zuletzt geändert am 29. Januar 2026