Dirk Lotze - Journalist
Schmuggelfahrt mit Schlangenlinien auf der A3: Landgericht schickt 45-Jährigen für vier Jahre in Haft

Gerichtsinsel

04. Februar 2026: Schmuggelfahrt mit Schlangenlinien auf der A3: Landgericht schickt 45-Jährigen für vier Jahre in Haft

Der Mann hat gestanden: Sein Hintergrund sind lange Kokainabhängigkeit und hohe Schulden. Durch die gefährliche Fahrt habe er Geld für weitere Drogen bekommen wollen.

Nach einer Kurierfahrt mit Drogen und unter Aufputschmitteln auf der Autobahn A3 bei Solingen muss ein 45-jähriger Mann in Haft. Der Mann war bei dichtem Verkehr Schlangenlinien gefahren und einer Polizeistreife aufgefallen; das hatte das Verfahren ausgelöst. Dabei lagen mehr als 40 Kilogramm aufputschendes Ketamin im Kofferraum, außerdem noch Ecstasy.

Sucht und Schulden: Gerichtsärztin benennt Hintergründe

Das Landgericht Wuppertal verurteilte den Mann zu vier Jahren Freiheitsstrafe. Laut Gerichtsärztin nimmt er zwar seit mehr als 15 Jahren Kokain, kann nicht mehr arbeiten und ist hoch verschuldet, er gilt aber nach gesetzlichen Maßstäben als voll verantwortlich. Das Gericht ordnet für ihn keine Entzugsbehandlung an, weil es die Aussichten als zu gering bewertet.

Nervöser Angeklagter mit Familie im Saal

Der Mann ist Niederländer und lebt mit Partnerin und Kind; er saß sichtlich nervös zwischen seinem deutschen Anwalt und einem Dolmetscher für Holländisch. Angehörige verfolgten seinen Prozess im Gerichtszentrum. Er hat gestanden, dass er bei der Tat vom 1. August 2025 mit seinem Pkw übernächtigt und unter Betäubungsmitteln die verschärften Kontrollen beiderseits der Grenze passierte. Dem Gericht zufolge hatte er in drei Reisetaschen illegale Substanzen für mehr als eine Million Euro im Kofferraum.

Der Mann hat vor den Richtern nichtöffentlich über seine Sucht ausgesagt. Dabei ging es auch um psychische Erkrankungen, teils als Folgen des Konsums.

Hinterleute in Amsterdam: Ermittlungen laufen

Seinen Angaben zufolge übernahm der Mann seinen Auftrag von Hinterleuten in Amsterdam. Die Namen nannte er nicht, die Ermittlungen laufen. "Es ging um Kuriere auf unterster Ebene", stellte der Vorsitzende Richter klar: "Er wollte Geld für weitere Drogen."

Gefahr im dichten Verkehr

Während der riskanten Fahrt an einem Freitagmittag nutzten nach Durchschnittswerten mehr als 5000 Fahrzeuge pro Stunde die A3 bei Solingen. Neben den schwerer wiegenden Drogentaten spielten die Verkehrsverstöße im Prozess aber keine Rolle mehr. Dazu hatte die Staatsanwaltschaft keine offiziellen Vorwürfe erhoben.

Millionen-Ware war für das Rhein-Main-Gebiet bestimmt

Anhand der Statistik des Bundeskriminalamts bewegte sich die Lieferung im spürbaren Prozentbereich der jährlich bundesweit sichergestellten Mengen. Bestimmt war sie für das Rhein-Main-Gebiet, das hat der Angeklagte gestanden.

Ketamin: Abhängigkeit und Organschäden drohen

Ketamin als sogenannte Designerdroge mit vielen Varianten nutzt kurzfristige Verbotslücken aus, bevor sie geschlossen werden. Sie werden teils in der Partyszene konsumiert, teils von Handwerkern und Angestellten, die damit Stresssymptome bekämpfen wollen. Bei langem Konsum drohen Abhängigkeit und Organschäden.

Der 45-Jährige bleibt zunächst in Untersuchungshaft und kann eine Überprüfung durch den Bundesgerichtshof beantragen.

Urteil des Landgerichts Wuppertal, 3. Strafkammer, vom 4. Februar 2026.
Ich berichte vom Besuch des Termins sowie anhand von Mitteilungen des Zolls, des Bundeskriminalamts und des Bundesamts für Straßenwesen.


In E-Mail-Verteiler eintragen: Gerichtsinsel

Terminauswahl und Links zu neuen Prozessberichten. Sie erhalten freitags Links zu neuen Texten, sonntags eine Terminvorschau. In den Verteiler eintragen ...

(Dienstleister: Mailchimp, Datenschutzhinweis)

Zuletzt geändert am 05. Februar 2026