20. Februar 2026: Geldbotin schildert Albträume nach Raubüberfall
Die Endfünfzigerin wurde im Keller einer Bank überfallen, wo sie mit einem zweiten Mann Geldautomaten auffüllen sollte. Dabei war der Kollege ohne ihr Wissen Hintermann des Raubs von 524.000 Euro. Die Ehefrau dieses Mannes ist nun als eine der Räuberinnen angeklagt und bestreitet, vor Ort gewesen zu sein. Die Geschädigte sagte im Landgericht Wuppertal aus. Eine maskierte Frau habe ihr auf dem Rücken gesessen und ihr trotz Verletzungen und Schmerzen "sei leise" zugeflüstert. Nach der Tat habe sie eine Therapie gebraucht und den Job gewechselt, um ihre Gewalterfahrung zu überwinden.
Der Raub hatte ihr Albträume gebracht: Immer wieder durchlebte sie ihre hilflose Lage - wie sie verletzt und gefesselt auf dem Boden gelegen hatte. Wie sie als Geldbotin im Keller unter der Sparkasse am Solinger Fronhof festgehalten wurde. Bei dem Überfall vom 30. Januar 2019 erbeutete eine Tätergruppe 524.000 Euro, die für zwei Geldautomaten bestimmt waren. Ein Kollege der ahnungslosen Geldbotin war Planer und Hintermann und wurde verurteilt. Seine Ehefrau steht nun in einem eigenen Verfahren vor dem Landgericht Wuppertal und bestreitet den Vorwurf, sie habe sich beteiligt.
Angreiferin saß auf dem Rücken
Die Geschädigte berichtete: Als sie den Keller betrat, wurde sie gepackt und mit dem Gesicht gegen eine Wand geschleudert. Jemand habe sie mit Kabelbindern gefesselt. Erst habe ein maskierter Mann auf ihrem Rücken gesessen, dann eine Frau. Sie habe das an der Stimme gemerkt, denn die Frau habe ihr während der Schmerzen mit fremdem Akzent "sei leise" zugeflüstert. Erst als ihr Kollege sich aus seinen Fesseln befreit hatte, habe er Hilfe rufen können.
Angeklagte bestreitet Vorwürfe
Noch im Tatjahr verurteilte das Landgericht drei Täter zu Freiheitsstrafen. Der Wachmann, der seine Lieferung verraten hatte, gestand und erhielt vier Jahre und neun Monate. Die Staatsanwaltschaft ist nun sicher, dass seine 42-jährige Ehefrau als eine der maskierten Täterinnen im Bankkeller überführt werden kann. Sie bestreitet, vor Ort gewesen zu sein.
Täterbeschreibungen entscheiden
Das Landgericht hat aus Zeugenaussagen alle Abschnitte zusammengestellt, in denen Täter beschrieben wurden. Der Fahrer des Geldtransporters hatte nur bemerkt, dass zwei Personen mit einer großen Tasche das Gebäude verließ. Eingeprägt habe er sich nichts, sagte der Mann: "Ich dachte, die gehen zum Sport."
Gericht untersucht verwischten Schuhabdruck
Die Aussage der geschädigten Geldbotin ist zentral. Sie sagte im ruhigen Ton aus, saß aber auf der Kante des Zeugenstuhls: Die Frau auf ihrem Rücken soll leichter gewesen sein als die erste Person. Auch der Akzent kann wichtig sein. Die Angeklagte hat Arabisch als erste Sprache und Familie im Libanon. Daneben geht es um Telefonüberwachung, in der die Angeklagte auftauchte, und Schuhspuren aus dem Keller. Die Schuhgröße ist ungewiss, weil Teile des Abdrucks verwischt waren.
Das Gericht will kommenden Donnerstag, 26. Februar 2026, weitere Zeugen hören und in derselben Woche sein Urteil verkünden.
Beute gelangte teils in den Libanon
Von der Beute vom Fronhof fand die Polizei 326.000 Euro versteckt in Wandlöchern eines Dortmunder Wohnhauses.
180.000 Euro gelangten über ein bankähnliches Netzwerk in den Libanon, wo die Angeklagte Familie hat.
Den Schaden der Sparkasse deckte eine Versicherung ab.
Der verurteilte Ehemann der Angeklagten hat in seinem Geständnis ausgesagt: Er sei mit der Arbeit unzufrieden gewesen, und habe Geld gebraucht.
Zweiter Verhandlungstag vor dem Landgericht Wuppertal, 6. Strafkammer, am 20. Februar 2026.
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