Dirk Lotze - Journalist
Nach Zufallsfund: Angeklagter gesteht Kokainhandel in Solingen

Gerichtsinsel

05. März 2026: Nach Zufallsfund: Angeklagter gesteht Kokainhandel in Solingen

Die Polizei hatte einen anderen Verdächtigen verfolgt und entdeckte an der Solinger Foche eine Wohnung mit Kokain für 10.000 Euro. Aufgeteilt ergäbe es mehrere tausend Portionen. Ein 22-jähriger Solinger bestätigte, er sei zu Besuch gewesen und habe gewollt, dass der Wohnungsmieter die Drogen für ihn versteckt. Dieser Mann sitzt nun neben ihm auf der Anklagebank im Landgericht Wuppertal. Laut der Staatsanwaltschaft belasten die Beweise auch ihn. Sie strebt mehrjährige Freiheitsstrafen an.

Die Polizei hatte an der Solinger Foche einen Verdächtigen gesucht; sie folgte einem Mann, der in ein Wohnhaus rannte. Er war nicht der Gesuchte und in einer dortigen Wohnung nur als Bekannter. In den Räumen allerdings entdeckten die Beamten zwei weitere Männer - mit Kokain, Cannabis und fast 5000 Euro. Zum Prozessbeginn vor dem für schwere Straftaten zuständigen Landgericht Wuppertal hat der Jüngste von ihnen, ein 22-jähriger Mann aus Solingen gestanden: Er habe verkauft und die Substanzen nicht selbst lagern können, weil er bei seinen Eltern lebt. Deshalb habe der 27-jährige Wohnungsinhaber die Drogen für ihn verstecken sollen.

Ermittler sicherten Drogen für mehr als 10.000 Euro

Nach dem Geschehen vom Abend des 30. November 2023 geht es um 100 Gramm hochreines Kokain. Laut Gericht ein Wert von 10.000 Euro. Dazu kommen noch vier Kilogramm Cannabis. Die angeklagten Männer sind auf freiem Fuß, weil Haftgründe fehlen. Der Vorsitzende Richter verdeutlichte gleich zum Sitzungsbeginn: "Wir reden hier über eine mehrjährige Strafe."

Cannabisgeruch und "angespannte Atmosphäre" machten misstrauisch

In der Wohnung waren die Polizisten misstrauisch geworden, weil es stark nach Cannabis roch, alle Fenster zum Lüften aufgerissen waren, und niemand etwas sagen wollte: "Es war eine angespannte Atmosphäre", sagte eine Beamtin aus. Vier Etagen unter dem Balkon hätten verstreut Gegenstände gelegen, die anscheinend hinab geworfen worden waren. Das war der Moment, wo sie alle Personen in der Wohnung festsetzten und Verstärkung riefen. Im Wohnzimmer hielt sich zudem die Freundin des Wohnungsinhabers auf – mit Kindern und Hund.

Bekannter drängte die Angeklagten, auszusagen

Auf der Wiese vor dem Haus stellten Ermittler große Tüten voller Cannabis und kleine mit Kokain sicher, außerdem Geld und eine Börse. Bei dieser Fundstelle konnte man die Gegenstände niemandem zuordnen. Allerdings gestanden die nun angeklagten Männer, nachdem sie der dritte Mann, der in das Haus gerannt war, drängte. Eine Polizistin beschrieb ihn selbst nach zwei Jahren aus der Erinnerung: "Er hatte eine respekteinflößende Aura."

Beweismittel belasten auch den Wohnungsmieter

Dass der Wohnungsinhaber ahnungslos gewesen sein soll, sieht das Gericht vorerst skeptisch, weil in der Wohnung eine Feinwaage und Verkaufsverpackungen lagen. Der Mann hat bisher angegeben, nur legal medizinisches Cannabis zu konsumieren.

Nächster Termin ist am 17. März 2026. Dann will das Gericht die persönlichen Hintergründe der angeklagten Männer klären.

Prozessbeginn vor dem Landgericht Wuppertal, 1. Strafkammer, vom 5. März 2026.
Ich berichte vom Besuch des Termins.


In E-Mail-Verteiler eintragen: Gerichtsinsel

Terminauswahl und Links zu neuen Prozessberichten. Sie erhalten freitags Links zu neuen Texten, sonntags eine Terminvorschau. In den Verteiler eintragen ...

(Dienstleister: Mailchimp, Datenschutzhinweis)

Zuletzt geändert am 05. März 2026