16. März 2026: Prozess um Kokain-Lieferungen: Angeklagte wollen aussagen
Nach einem Prozess 2024 über Drogenhandel in Velbert überwachte die Polizei einen Pkw mit Peilsender - und entdeckte Fahrten mit Kokain und Marihuana für mehr als 180.000 Euro. Die Ware soll von Holland nach Velbert und ins Ruhrgebiet gekommen sein. Nun muss sich ein 73-jähriger Mann vor dem Landgericht Wuppertal verantworten, der gefahren sein soll. Neben ihm auf der Anklagebank sitzt ein 35-Jähriger, der ihn laut Vorwurf von einem zweiten Auto aus durch Vorausfahren absicherte. Der Jüngere war für andere Taten bereits zu Haft verurteilt, hatte aber die mehr als vierjährige Freiheitsstrafe noch nicht antreten müssen. Ein Auftraggeber aus dem Ausland habe die Taten gesteuert, sagt die Staatsanwaltschaft.
Lokaler Drogenprozess brachte Spur zum Netzwerk
In Velbert und Umland hatte eine örtliche Gruppe Kokain und Marihuana auf Bestellung an Partygäste ausgeliefert. Im Prozess gegen sie wurde 2024 ein überregionales Netzwerk entdeckt, das sie mit den Drogen versorgt haben soll. Vor dem Landgericht Wuppertal müssen sich nun ein 73-jähriger Mann aus Gelsenkirchen als mutmaßlicher Fahrer und ein 35-Jähriger als Mitorganisator verantworten: Sie sollen auf der Lieferantenebene die illegalen Substanzen aus Holland eingeführt haben. Es geht um zehn Kilogramm Kokain, 23 Kilogramm Marihuana und weitere Stoffe wie Amphetamin und Ecstasy. Beide Männer sind vorbestraft und für den Prozess vorläufig in Haft. Der Anwalt des Älteren erklärte zum Prozessauftakt: "Wir neigen zu einer Aussage." Die Anwälte der Verteidigung wollen zunächst mit Staatsanwaltschaft und Gericht über mögliche Ergebnisse des Verfahrens verhandeln.
Kokain und Marihuana im Wert von mindestens 180.000 Euro
Der Schwarzmarktpreis der sichergestellten Drogen übersteigt 180.000 Euro. Es geht um mehrere hunderttausend Portionen, wie sie Konsumenten laut Durchschnittswerten verwenden. Anhand der Ermittlungen geht die Staatsanwaltschaft davon aus, dass die Aufträge jeweils ein Mann gab, dessen Personalien den Behörden inzwischen bekannt sind und der sich im Ausland aufgehalten haben soll.
Fahrten im Team – zweiter Wagen sicherte ab
Während der Fahrten soll der Jüngere dem Älteren jeweils mit einem zweiten Auto vorausgefahren sein. So habe er ihn vor Kontrollen warnen und absichern können. Insgesamt geht es um mehr als sechs Fahrten im Jahr 2024, die so abgewickelt worden seien. Das Auto sollen Ermittler zeitweise mit einem Peilsender überwacht haben. Für einen Teil der Fahrten nennen sie Abfahrts- und Ankunftszeiten auf die Minute genau.
35-Jähriger war bereits verurteilt, aber noch nicht in Haft
Weiter laut Anklage erhielt der Ältere als Lohn für Touren teils 100 Euro. Hintergründe zu seiner wirtschaftlichen Situation werden voraussichtlich später im Prozess bekannt. Der Jüngere fiel 2022 mit einer Kokain-Lieferung in einem 75.000-Euro-BMW auf, der bei einer Fluchtfahrt Totalschaden erlitt. Die Folge war eine Verurteilung über vier Jahre und neun Monate Freiheitsstrafe für ein Kilogramm Kokain. Zum Zeitpunkt der neuen Touren hatte er die Strafe noch nicht angetreten und war trotz der drohenden, langen Strafe vorübergehend auf freiem Fuß.
Ziel: Geld für ein aufwändigeres Leben
Der 35-Jährige hatte in seinem früheren Prozess ausgesagt, er habe zuvor als Sicherheitsmann gearbeitet. Dabei habe er im Auftrag für Städte im Ruhrgebiet sich illegal aufhaltende Ausländer abgeschoben. Durch eine ernste Erkrankung habe er sich entschlossen, mehr Geld verdienen zu wollen und habe sich der Drogenszene zugewandt, um sich ein besseres Leben zu leisten und ein Haus zu kaufen. Angehörige des Mannes begleiten ihn vom Publikum aus.
Anwälte sondieren mögliches Ergebnis
Die Anwälte der Männer erklärten, über das Prozessergebnis möglichst vorab verhandeln zu wollen. Für die Angeklagten gibt das einen festen Rahmen vor, wenn sie gestehen wollen. Laut dem Vorsitzenden Richter kann der Nutzen für das Gericht darin liegen, dass das Verfahren abgekürzt wird: "Die Beweislage war schon mal schlechter; sie war aber auch schon mal besser." Aus Sicht des Gerichts stütze sich die Anklage einerseits auf Sicherstellungen bei einer Durchsuchung, was sehr verlässlich sein könne. Andererseits liege eine Telefonüberwachung vor, die zwar dicht gewesen sei, aber inhaltlich nicht immer eindeutig.
Gespräche über mögliches Geständnis laufen
Die beiden Staatsanwältinnen im Verfahren kommentierten das nicht. Sie kündigten aber an, sich an Gesprächen mit Gericht und Verteidigung zu beteiligen.
Das Gericht will am 24. März 2026 weiter verhandeln. Dann sollen die Ergebnisse einer möglichen Absprache bekannt werden und erste Zeugen aussagen.
Kokain und Cannabis: riskant trotz Alltagsgebrauch
Mengen von mehr als 5 Gramm Kokain oder 7,5 Gramm Cannabis-Wirkstoff THC gelten nach der Rechtsprechung in Deutschland als "nicht geringe Menge".
Junge Konsumenten nutzen auch beim teilweise legalen Cannabis oft den Schwarzmarkt. Sie riskieren Herzprobleme oder Psychosen, weil sie Langzeitfolgen unterschätzen.
Der für Velbert zuständige Kreis Mettmann verweist auf den anonymen Notruf für Suchtgefährdete (24/7) unter Telefon: 0211 32 55 55
Verhandlungsbeginn vor dem Landgericht Wuppertal, 10. Strafkammer, vom 16. März 2026.
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