Dirk Lotze - Journalist
Wupperpark: Alle Platanen stehen auf der Kippe

Stadtbäume in Wuppertal | Wupperpark: Alle Platanen stehen auf der Kippe

Wupperpark: Alle Platanen stehen auf der Kippe

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Der künftige Wupperpark Ost am Zentrum Döppersberg ist derzeit noch grüne Insel in der Stadt. Foto: Dirk Lotze

Wuppertal, 27. Juni 2019. Die Zukunft der Platanen im künftigen Wupperpark Ost ist fraglich, sagen Grün-Experten der Stadtverwaltung. Drei der sechs Bäume sollen die Planer des Zentrums Döppersberg erhalten, gefährdet seien alle. Die zuständigen Landschaftsarchitekten empfehlen der Stadtpolitik rundweg: „Lassen Sie uns an die Zukunft denken und fünf neue, große Bäume pflanzen.“

Der geplante Park zwischen Alter Freiheit, Bundesstraße und Morianstraße soll Inseln mit Grün an Wegen aus sandfarbenem Asphalt bieten - eine „stilisierte Flußlandschaft“. Das Konzept trennt Flaneure an der Wuppermauer von den sogenannten Nutzergruppen am geplanten Neubau für das Café Cosa. Das Wort in Stadtrats-Sprache bezeichnet sucht- und mehrfach erkrankte Wuppertalerinnen und Wuppertaler. Sie sollen sich am Pavillion aufhalten und Spritzen tauschen können.

Die sechs alten Platanen auf dem Areal stehen im Schutt mehrerer Baugruben. Während des Umbaus bleibt das ein Problem, sagt Annette Berendes von der Stadtverwaltung. Die Bäume seien krank bei unterschiedlichen Aussichten. Sie stünden teils extrem dicht an der Wuppermauer, teils an Zugängen zu einem Bunker. Laut Experten werden die Bäume durch die Bauten gestützt. Die allerdings müssten verändert werden - bei hohem Risiko für die Platanen. Derzeit gibt es einen Bürgerantrag, die Bäume unter allen Umständen zu erhalten. Darüber entscheidet der Rat später. Das Amt für Grünflächen und Forsten prüft sogar eine Verpflanzung, etwa in einen bestehenden Park. Vorläufiges Fazit: Man rechne mit einem schlechten Ergebnis zu hohen Kosten. Und ja, man beruft sich auf Erfahrungen ausgerechnet bei Stuttgart 21.

Wer jetzt den Plan für den Park verändert, verzögert den Umbau um mindestens ein Jahr, sagt die Stadtverwaltung. Es wäre ein weiteres Jahr ohne Café Cosa in der Elberfelder City. Vergleichbare Angebote gibt es sowieso nicht. Die Park-Gestaltung wäre hinfällig, wenn der Platz für zwei getrennte Wegesysteme nicht reicht. Es hört sich an, als stünde das Projekt in diesem Fall bei Null. Bei hohen Zusatzkosten.

Baudezernent Frank Meyer stellte klar: "Wir haben uns mit Empfehlungen zurückgehalten, auf Raten von Oberbürgermeister Andreas Mucke. Wir empfehlen, bei dem gefassten Plan zu bleiben." Also: Der Park wird wie beschrieben; drei Platanen kommen weg. Mit den restlichen Dreien versucht die Stadt es. Dazu kommen Neuanpflanzungen.

Die Reaktion aus der Politik: gemischt. Klaus Lüdemann (Bündnis 90/Die Grünen) schlug ein Holzgestell für die Passanten vor, unter dem die Wurzelhügel der Platanen verschwinden sollten. Heribert Stenzel (freie Wähler) monierte, man hätte das Problem vor Jahren schon kennen können. (Stimmt, antwortete Dezernent Meyer.)

Ratsmitglied Alexander Schmidt (FDP) sagte: "Wir erleben das Selbe wie beim Von-der-Heydt-Platz: Jetzt wird von den Plänen aufgrund der Umwelt-Hysterie zurückgerudert. Ich kann es durchaus nachvollziehen. Auch mir sind diese Bäume lieb. Wir sollten sagen: Ok, das war ne Ehrenrunde, das war der Umwelt geschuldet. Aber jetzt muss es genug sein."

Kommissions-Vorsitzender Klaus Jürgen Reese (SPD) kommentierte: "Für die Kosten, die durch den Erhalt der Bäume auf uns zu kommen, könnte man einen neuen Wald pflanzen. Für mich ist das Thema durch."


Dieser Beitrag erschien zuerst in meinem Newsletter Berg und Tal - Beiträge zur Stadtpolitik.
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Zuletzt geändert am 18. Juli 2019