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Erkraths Händler müssen sich neue Nachbarn suchen

Erkraths Händler müssen sich
neue Nachbarn suchen

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In der Erkrather Fußgängerzone Bahnstraße war Kaiser's bisher ein Frequenzbringer. Der Laden ist ab Samstag geschlossen

Erkrath. Die Werbegemeinschaft Erkrath City soll zum Forum für die Stadtentwicklung werden, dabei hatte sich der Verein für ganz andere Aufgaben formiert. Jetzt muss sich erst ein neuer Vorstand bilden. Er werde im Herbst nach zehn Jahren an der Spitze zurücktreten, bekräftigt Sprecher Peter Müller (58) eine frühere Ankündigung: "Dann wird es vielleicht besser, als wenn nur ein Kopf mit seinem Halbwissen leuchtet."

Der Auslöser für die nach 35 Jahren neu entstehenden Ansprüche an den Verein ist in vielen Städen bekannt: Händler geben auf. Im Fall Erkraths ist es Kaiser's in der Fußgängerzone, der am Samstag zum letzten Mal öffnet. Schon beim verkaufsoffenen Sonntag des Sommerfests blieb die Filiale zu. Der Supermarkt mit weithin geschätzter Fleischertheke setzt mit seinem Weggang eine lange Reihe von Schließungen in der Mittelstadt fort. Die Verwaltung spricht von einer "Besorgnis erregenden Entwicklung." Discounter am Rand der Innenstadt haben große Parkplätze vor der Tür und setzen den kleinen Geschäften zu.

Feste sollten die Fußgängerzone beleben

In dieser Lage soll die Werbegemeinschaft Hauseigentümer, Gewerbetreibende und die Stadtplanung an einen Tisch bringen, damit ein gemeinsamer Plan entsteht. Aber noch weiß niemand, wie. Erkrath City ist bislang auf klassische Belebung der Fußgängerzone durch Feste ausgerichtet. Müller ist Praktiker: „Das Sommerfest plant man in zwei, drei Tagen am Schreibtisch: Welcher Stand kommt wo hin. Das Weihnachtsfest ist Knochenarbeit, weil man die Buden aufbauen muss.“ Um alle Hausbesitzer anzusprechen fehlten noch die nötigen Daten, fügt er hinzu: "Ich müsste von Tür zu Tür gehen und fragen, ob mir jemand Namen nennt."

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Radio- und Fernsehtechniker-Meister Peter Müller hat über zehn Jahre als Sprecher der Werbegemeinschaft fungiert.

Kritik an der Werbegemeinschaft gehört in Erkrath wie überall dazu: „Die Leute haben gesagt, bei den Festen würden wir mit vollen Taschen vom Feld gehen“, sagt Müller. Tatsächlich bringe das schönste Fest kein Plus.

Zur Politik habe er versucht, Brücken zu bauen, fügt er hinzu. Aber die Arbeit im Rat sei wenig durchschaubar: „Wenn von einer Fraktion alle die Finger heben, brauchen die anderen kaum noch was zu sagen.“ Hinzu komme, dass die Händler etwa in Konkurrenz zu Internet-Shops Probleme hätten, die er als Handwerker so nicht kenne.

Das neue Team im Verein werde wohl einiges ändern, sagt Müller. Schon angekündigt ist, dass mehr Ladeninhaber als Mitglieder gewonnen werden sollen. Müller: „Die müssen halt ihre eigenen Erfahrungen machen.“ Falls gewünscht, werde er auch den Verein verlassen. Dann werde er sich allerdings andere Möglichkeiten suchen, etwas für die Stadt zu tun: „Erkrath, das ist schon mein Herzblut.“

11. Juli 2014

Text und Fotos: Dirk Lotze


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Zuletzt geändert am 21. Juli 2014