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Stadt ohne Fahrradspur – Willkommen in Saarbrücken

Stadt ohne Fahrradspur
Willkommen in Saarbrücken

index.jpg: 1024x576, 153k (20. Juli 2014)
Auf der Alten Brücke in der Saarbrücker Innenstadt: Radler und Fußgänger teilen sich die Fläche.

Saarbrücken. Eigentlich ist die Stadt ideal für einen Fahrradurlaub: Ein länderübergreifendes Wegenetz entlang der Saar und ihrer Nebenflüsse lädt zu Touren ein; Museen, Kirchen und Parkanlagen sind gut zu erreichen. Wer allerdings tatsächlich in Saarbrücken radeln möchte, sollte sich sein eigenes Fahrzeug mitbringen. Gerade einmal zwei Verleihstationen nennen die Tourismus-Broschüren. Zu leihen wären Elektro-Räder, aber die sind in der warmen Jahreszeit auf geraume Zeit ausgebucht. Ankommen und losfahren – das geht nicht.

Auf die Belange des Radverkehrs machte am Samstag die belgische Fahrrad-Aktion dynamobile aufmerksam. Eine Etappe ihrer jährlichen 600-Kilometer-Ausfahrt mit 150 Radlern führte durch Saarbrücken. Mit rund zwei Prozent Fahrradanteil am Straßenverkehr liegt die Stadt hinten in der Rangliste Deutschlands, sagt Jan Messerschmidt, einer der Ansprechpartner der Ortsgruppe des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC): „Das ist nur eine Mentalitätsfrage. Die Bedingungen sind besser.“

Sie sind sogar alltagstauglich, bestätigt Radler Julien Robichon: „Ich nehme fast nie den Bus, außer wenn ich zu einem bestimmten Freund fahre: Der hat eine Haltestelle direkt vor der Tür.“ Zwar seien die Radwege nicht sehr gut ausgebaut, dafür ginge es aber gut über die Straßen voran. Die Wege entlang der Saar seien an Wochenenden und Feiertagen gern von Familien genutzt. Er fahre gern in die Wälder hinein, die die Stadt umgeben.

Radstation für Ausleihe und Reparaturen ist nicht zu finanzieren

Auf das Vergnügen müssen Touristen wohl noch geraume Zeit verzichten. „Ein Herzenswunsch der ADFC-Mitglieder wäre eine Radstation für Verleih und Reparaturen“, sagt Jan Messerschmidt. Es fehle dafür an der Finanzierung. Ebenso wie bei einem ablegten Projekt der Stadtverwaltung zum Radverkehr, das die Ausleihe von Pedelecs beinhaltet hätte, inklusive Rückholdienst von abgestellten Rädern aus den Vororten. Fördergeld hätte dafür bereit gestanden, sagt Messerschmidt, die Stadt habe aber die nötigen Eigenmittel nicht aufgebracht: „Das ist eine ausgesprochen unbefriedigende Situation.“

Vielleicht könnten sich die Radfahrer gegenseitig helfen, regt der Saarbrücker Emilian Lawera an. Es gebe doch sicher viele, die noch ein zusätzliches Rad im Keller stehen haben, das sie nicht ständig brauchen: „Die könnte man doch mit einer Smartphone-App ausleihen, ähnlich wie man schon Übernachtungsmöglichkeiten oder Autos vermitteln kann.“

19. Juli 2014. Text und Foto: Dirk Lotze


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Zuletzt geändert am 20. Juli 2014