Dirk Lotze - Journalist
Smart Tec Campus - Die Chronologie

Faktenlisten

Smart Tec Campus - Die Chronologie

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Künftiger Platz für Technologie-Firmen: Das Abriss-Grundstück des Erlebnisbads Bergische Sonne auf Lichtscheid hinten links, vorn das Quellgebiet der Gelpe. Mai 2021.


Am Lichtscheider Kreuz, an der Stadtautobahn zwischen Wuppertal-Sonnborn und Ronsdorf, will die Stadt auf zwei Hektar Fläche ein modernes Gewerbegebiet entwickeln, als Muster für künftige, städtische Projekte: Technologie-Unternehmen sollen ich in Gebäuden mit begrünten Dächern und Fassaden ansiedeln, bei klimaschonender Bauweise. Das Areal mit grandioser Aussicht über das bergische Land bis nach Remscheid beherbergte bis 2012 das privat geführte Erlebnis-Bad Bergische Sonne. Inzwischen wurden die Arbeiten zur neuen Erschließlung mit Wasser- und Energie-Leitungen abgebrochen, weil Investoren fehlen. Die Kosten für die Stadtkasse belaufen sich bereits auf mehr als sechs Millionen Euro. Die Chronologie, mit einer Überschlagsrechnung zu Kosten und Grundstückswert.

Inhalt

Vorgeschichte: Vom Bergbahn-Depot zum Ende der Bergischen Sonne 2013

Das Grundstück mit vier Hektar Fläche nahe dem heutigen Lichtscheider Kreuz beherbergte bis 1958 den Straßenbahn-Betriebshof Kapellen. Die Anlage war von der Barmer Bergbahn errichtet worden.

1992 entstand das Erlebnisbad Bergische Sonne mit Saunalandschaft, Fitness-Studio, Wellness-Bad und Gastronomie auf 6000 Quadratmetern. Mit Stand von 2001 nutzten 450.000 Besucherinnen und Besucher jährlich das Angebot, laut einem Zeitungsbericht.

Krise 2009

Vom 24. bis zum 26. November 2009 schloss die Betreibergesellschaft vorübergehend das Haus. Laut Medienberichten hatten die Stadtwerke Strom, Wasser und Fernwärme abgestellt, weil Zahlungsrückstände bestanden. Am 30. Dezember 2009 stand der Betreiber unter Insolvenzverwaltung. Er öffnete am 9. Januar 2010 den Betrieb wieder, bei neuen Öffnungszeiten und Preisen. Am 1. April 2010 übernahm eine Investorenfirma die Bergische Sonne und begann mit der Renovierung.

Erneute Krise und Insolvenz 2012

Am 23. Januar 2012 beendeten die damaligen Betreiber den Badebetrieb. Es sollte ein neues Konzept für Sauna und Fitness umgesetzt werden. Am 4. Juli 2012 schloss die Anlage vollständig. Laut Mitteilung in den Medien wollte ein neuer Investor ein Wellness-Hotel mit 200 Zimmern aufbauen.

Im Oktober 2013 zog sich der neue Investor zurück. Am 7. November 2013 gründete sich eine weitere Gesellschaft. Sie teilte mit, eine Neueröffnung bis Ende 2015 anzustreben.

2016: Grundstück auf dem Markt

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Künftiger Platz für Technologie-Firmen: Die Ruine des Erlebnisbads Bergische Sonne, Zustand im Oktober 2020.

Im Juni 2016 stand das Grundstück zum Verkauf. 2017 erwarb die Barmer Versicherung die östliche Grundstückshälfte als Parkfläche für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Am 16. Mai 2018 kaufte die Stadt Wuppertal 19200 Quadratmeter zur Planung eines sogenannten Smart Tec Campus für vier bis fünf einzelne Unternehmen. Den Kaufpreis schätzte die Presse auf eine Million Euro. Das entsprach etwa dem damaligen, durchschnittlichen Wert von 60 Euro pro Quadratmeter eines Gewerbegrundstücks in diesem Gebiet - allerdings in unbebautem Zustand. Die Richtwerte stammen vom Gutachterausschuss des Landes. Die Abrisskosten sollten zusätzlich schätzungsweise 400.000 Euro betragen.

2019: Aufbereitung für neue Unternehmen

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Abbruch-Arbeiten, Februar 2021

Am 8. Juli 2019 beschloss der Stadtrat, Geld für Abriss und Neuplanung bereit zu stellen. Es ging um 1,8 Millionen Euro inklusive Steuern. Zugleich teilte die Verwaltung mit, die Vermarktung werde "eventuell nicht kostendeckend" sein. Der Auftrag, die Fläche zu räumen und zu entwickeln sollte gegen Bezahlung an die Landesagentur NRW.Urban gehen, weil die bessere Möglichkeiten habe.

Kosten steigen

Am 18. Mai 2020 informierte der Vorstand der städtischen Wirtschaftsförderung den Finanzausschuss: Allein der Abriss inklusive Ingenieurleistungen und Sicherheitszuschlag werde voraussichtlich 1.8 Millionen Euro kosten. Die Arbeiten könnten im August 2020 ausgeschrieben werden und im September 2020 beginnen. Für die Erschließung und Geländenivellierung werden weitere Kosten anfallen. Diese solle der Rat Anfang 2021 bewilligen. Die Wirtschaftsförderung spreche Unternehmen an, die für eine Nutzung des Areals in Frage kämen.

August 2020 veröffentlicht die Wirtschaftsförderung Wuppertal ein Video zum Projekt auf Youtube, mit der Aussage eines Unternehmers als Werbebotschafter und Aufnahmen des Ruinen-Grundstücks.

Smart Tec Campus Wuppertal (13. August 2020)
https://www.youtube.com/watch?v=OjgIrmxIM8Q

Im Oktober 2020 begann der Abbruch der Ruine der Bergischen Sonne. Laut Stadtverwaltung waren Beton und weitere Materialien von 73000 Kubikmetern umbautem Raum zu zerkleinern und aufzubereiten. 350 Tonnen Holz würden durch den Abriss der Dachkonstruktion anfallen.

2021: Interessenten fehlen, Arbeiten ausgesetzt

Laut Mitteilung von 2021 hat sich der Abriss durch zusätzliche Bodenbelastungen verzögert. Anfang 2022 teilte die Verwaltung mit, dass die Erschließung für Wasser- und Energieleitungen abgebrochen wird, weil Investoren für das Grundstück fehlen. Für die Arbeiten zur Erschließung hatte der Stadtrat 2021 zusätzliche 3,25 Millionen Euro außerplanmäßige Mittel bereitgestellt. (Vorlage Smart Tec Campus Wuppertal, Dokument VO/0236/21 vom 2. Februar 2021 im Ratsinformationssystem)

Die bereits ausgearbeiteten Erschließungs-Pläne könnten später umgesetzt werden, falls sie zu den Vorhaben von Käufern passen, ergänzte die Verwaltung. Der Abschluss des Projekts ist bis mindestens 2026 verschoben. (Öffentlicher Quartalsbericht IV/2021 zum Handlungsprogramm Gewerbeflächen, Dokument VO/1090/21 vom 7. März 2022 im Ratsinformationssystem und die Meldung dazu auf dieser Webseite: Smart Tec Campus: Stadt Wuppertal bricht Erschließung von Vorzeige-Gewerbefläche ab).

Fehlersuche mit hohem Aufwand

Zugleich informierte die Verwaltung, es sei eine "Steuerungsgruppe" gegründet worden, die sich auch bereits im November 2021 getroffen habe und die "unter anderem auch mit externen Fachleuten besetzt" sei. Die Wirtschaftsförderung habe den Auftrag erhalten, Vorschläge zu erarbeiten, wie eine zukünftige Nutzung aussehen könnte. Teil davon seien Entwürfe für Nutzerprofile.

Ende Mai 2022 informierte die Wirtschaftsförderung den Rat erstmals über die dreizehnköpfige Zusammensetzung der "Strategiekommission Smart Tec Campus". Mitglieder seien Oberbürgermeister Uwe Schneidewind, Stadtdirektor Dr. Johannes Slawig, städtischer Dezernent Arno Minas, Leiter des städtischen Ressorts Bauen und Wohnen Jochen Braun, Wirtschaftsreferent des Oberbürgermeisters Dejan Vujinovic, Leiter des städtischen Ressorts Finanzen und Grundstückswirtschaft Norbert Dölle, Vorstand der Wirtschaftsförderung Wuppertal Eric Swehla, dessen Stellvertreter Dr. Marco Trienes und zwei weitere Angehörige der Wirtschaftsförderung Wuppertal, Geschäftsführer der W-tec GmbH Dr. Martin Hebler, Vorsitzender des Gestaltungsbeirats Christof Gemeiner und - als einziger Beteiligter von außerhalb Wuppertals - der Geschäftsführer der Zenit GmbH (Mülheim/Ruhr) Jürgen Schnitzmeier. Angefragt hatte die CDU-Fraktion im Rat der Stadt Wuppertal.

Die Wirtschaftsförderung teilte mit, die politischen Gremien würden "kontinuierlich" informiert, sobald das weitere Vorgehen abgestimmt sei. (Vorlage Smart Tec-Campus - Sachstandsbericht, Dokument VO/0562/22 vom 27. Mai 2022 im Ratsinformationssystem)

Unter Datum vom 28. Juli 2022 ergänzte der städtische Bereich Stadtentwicklung und Städtebau, die Strategiekommission habe auch im Mai 2022 getagt und es sei dort ein Konzept erarbeitet worden. Dieses solle "mit der Politik" abgestimmt werden. Termine für Beratungen in den Gremien wurden nicht genannt. (Öffentlicher Quartalsbericht II/2022 zum Handlungsprogramm Gewerbeflächen, Dokument VO/0780/22 vom 28. Juli 2022)

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Keine Bagger, keine Container: Die Stadt hat den bereits geplanten Anschluss mit neuen Wasser- und Energieleitungen auf unbestimmte Zeit verschoben. Zustand im April 2022

Kosten weit über Grundstückswert

Anhand der veröffentlichten Meldungen lagen bereits die Ankaufkosten 2018 für die Stadt um etwa ein Viertel über dem damaligen Wert des Ruinengrundstücks. Inzwischen sind weitere Beträge dazu gekommen. Eine Überschlagsrechnung:

Kosten
2018   bezahlt   Kaufpreis 1,0   Millionen Euro   Schätzung von Medien.
Erwartete Abbruchkosten: 400.000 Euro
2019   bewilligt   Abriss und Neuplanung 1,8   Millionen Euro
2021   bewilligt   Geländemodellierung und Versorgungsleitungen 3,25   Millionen Euro
      Summe 6,05   Millionen Euro   ungefährer Betrag
 
Zum Vergleich: Grundstückswert
2021       Durchschnittlicher Wert 1,71   Millionen Euro   Auf Basis des Bodenrichtwerts von 90 Euro/Quadratmeter für gewerbliche Baufläche an diesem Standort zum 1. Januar 2022
        Geplanter Verkaufswert 2,84   Millionen Euro   Basierend auf 148 Euro/Quadratmeter Verkaufspreis gemäß Ankündigung der städtischen Wirtschaftsförderung

Die städtische Wirtschaftsförderung hat angekündigt, dass sie einen Teil des Areals zur Vermietung anbieten kann. Damit würde entsprechend teilweise auf einen Verkauf verzichtet.

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avatar.jpg: 343x400, 46k (27. August 2022)
"Die Bauland-Minna" stellt die Vorhaben um dieses Grundstück zur Diskussion. Die freundliche Wuppertalerin repräsentiert auf Facebook die Rubrik für Flächenentwicklung im Newsletter Berg und Tal.

In den Beiträgen finden Sie Texte, Fotos und Links zur Orientierung. Darunter ist jeweils Platz für Ihre Kommentare - und damit Treffpunkt für alle, die sich rund um ein Thema engagieren. Klicken Sie auf "gefällt mir" und diskutieren Sie gerne mit:

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Der Smart Tec Campus
auf der Landkarte der Flächenentwicklung in Wuppertal

Anklick- und zoombare Landkarte, erstellt nach städtischen Quellen:

Flächenentwicklung in Wuppertal


Veröffentlicht am 1. März 2020, zuletzt bearbeitet 23. Oktober 2022.
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Fotos: Dirk Lotze
Zuletzt geändert am 23. Oktober 2022