Dirk Lotze - Journalist
Von der Bergischen Sonne zum Smart Tec Campus - Die Chronologie

Von der Bergischen Sonne zum Smart Tec Campus
Die Chronologie

index.jpg: 1024x576, 131k (01. März 2020)
Künftiger Platz für Technologie-Firmen: Die Ruine des Erlebnisbads Bergische Sonne im Sommer 2019.


Am Lichtscheider Kreuz, an der Stadtautobahn zwischen Wuppertal-Sonnborn und Ronsdorf, will die Stadt auf zwei Hektar Fläche ein modernes Gewerbegebiet entwickeln, als Muster für künftige, städtische Projekte: Technologie-Unternehmen sollen ich in Gebäuden mit begrünten Dächern und Fassaden ansiedeln, bei klimaschonender Bauweise. Das Areal mit grandioser Aussicht über das bergische Land bis nach Remscheid beherbergte bis 2012 das privat geführte Erlebnis-Bad Bergische Sonne. Abriss, Planung und Vermarktung werden voraussichtlich weitere Jahre dauern und die Stadtkasse einen siebenstelligen Euro-Betrag kosten. Die Chronologie:

Das Grundstück mit vier Hektar Fläche nahe dem heutigen Lichtscheider Kreuz beherbergte bis 1958 den Straßenbahn-Betriebshof Kapellen. Die Anlage war von der Barmer Bergbahn errichtet worden.

1992 entstand das Erlebnisbad Bergische Sonne mit Saunalandschaft, Fitness-Studio, Wellness-Bad und Gastronomie auf 6000 Quadratmetern. Mit Stand von 2001 nutzten 450.000 Besucherinnen und Besucher jährlich das Angebot, laut einem Zeitungsbericht.

Krise 2009

Vom 24. bis zum 26. November 2009 schloss die Betreibergesellschaft vorübergehend das Haus. Laut Medienberichten hatten die Stadtwerke Strom, Wasser und Fernwärme abgestellt, weil Zahlungsrückstände bestanden. Am 30. Dezember 2009 stand der Betreiber unter Insolvenzverwaltung. Er öffnete am 9. Januar 2010 den Betrieb wieder, bei neuen Öffnungszeiten und Preisen. Am 1. April 2010 übernahm eine Investorenfirma die Bergische Sonne und begann mit der Renovierung.

Erneute Krise und Insolvenz 2012

Am 23. Januar 2012 beendeten die damaligen Betreiber den Badebetrieb. Es sollte ein neues Konzept für Sauna und Fitness umgesetzt werden. Am 4. Juli 2012 schloss die Anlage vollständig. Laut Mitteilung in den Medien wollte ein neuer Investor ein Wellness-Hotel mit 200 Zimmern aufbauen.

Im Oktober 2013 zog sich der neue Investor zurück. Am 7. November 2013 gründete sich eine weitere Gesellschaft. Sie teilte mit, eine Neueröffnung bis Ende 2015 anzustreben.

Grundstück auf dem Markt

Im Juni 2016 stand das Grundstück zum Verkauf. 2017 erwarb die Barmer Versicherung die östliche Grundstückshälfte als Parkfläche für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Am 16. Mai 2018 kaufte die Stadt Wuppertal 19200 Quadratmeter zur Planung eines sogenannten Smart Tec Campus für vier bis fünf einzelne Unternehmen. Den Kaufpreis schätzte die Presse auf eine Million Euro, die Abrisskosten auf 400.000 Euro.

Am 8. Juli 2019 beschloss der Stadtrat, Geld für Abriss und Neuplanung bereit zu stellen. Es ging um 1,8 Millionen Euro inklusive Steuern. Zugleich teilte die Verwaltung mit, die Vermarktung werde "eventuell nicht kostendeckend" sein. Der Auftrag, die Fläche zu räumen und zu entwickeln sollte gegen Bezahlung an die Landesagentur NRW.Urban gehen, weil die bessere Möglichkeiten habe.

Am 18. Mai 2020 informierte der Vorstand der städtischen Wirtschaftsförderung den Finanzausschuss: Allein der Abriss inklusive Ingenieurleistungen und Sicherheitszuschlag werde voraussichtlich 1.8 Millionen Euro kosten. Die Arbeiten könnten im August 2020 ausgeschrieben werden und im September 2020 beginnen. Für die Erschließung und Geländenivellierung werden weitere Kosten anfallen. Diese solle der Rat Anfang 2021 bewilligen. Die Wirtschaftsförderung spreche Unternehmen an, die für eine Nutzung des Areals in Frage kämen.

August 2020 veröffentlicht die Wirtschaftsförderung Wuppertal ein Video zum Projekt auf Youtube, mit der Aussage eines Unternehmers als Werbebotschafter und Aufnahmen des Ruinen-Grundstücks.

Smart Tec Campus Wuppertal (13. August 2020)
https://www.youtube.com/watch?v=OjgIrmxIM8Q

Anhand der veröffentlichten Meldungen liegen die Gesamtkosten mit Stand September 2020 bei einer Million Euro Kaufpreis (geschätzt), zuzüglich 1.8 Millionen Euro Abrisskosten (in öffentlicher Sitzung vom Stadtrat bewilligt), zuzüglich noch nicht bezifferter, weiterer Kosten. Der durchschnittlich zu erwartende Erlös für zwei Hektar Gewerbefläche in Wuppertal in bester Lage liegt laut Bodenrichtwerttabelle bei 1.8 Millionen Euro.


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Zuletzt geändert am 07. September 2020