Dirk Lotze - Journalist
Verrechnet: Gartenschau holt kein Geld nach Wuppertal

Verrechnet: Gartenschau holt kein Geld nach Wuppertal

index.jpg: 800x447, 70k (13. September 2021)

Eine mögliche Bundesgartenschau 2031 in Wuppertal zieht mit Stand heute unter dem Strich kein zusätzliches Geld von außerhalb in die Stadt. Eine zunächst positivere Sicht in einem Gutachten der Bergischen Universität Wuppertal (im Bild: Standort Grifflenberg, Archivfoto) müsse berichtigt werden, bestätigten dessen Autoren auf Anfrage. Die Schau soll zwar zwei Millionen Besucherinnen und Besucher bringen, finanziell kommt dabei aber nach dieser Rechnung nichts im Stadtgebiet an. Firmen und Hotels in Wuppertal erhalten als Plus einen Betrag nur in der Höhe, wie ihn die Stadtkasse an Zuschuss auszahlt; ein anfangs vermuteter, finanzieller Hebel zugunsten der Stadtwirtschaft versagt.

Das Gutachten hatte die Stadtverwaltung in Auftrag gegeben, ausgeführt hat es die Fakultät für Architektur und Bauingenieurwesen der Bergischen Universität Wuppertal. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler folgen einer Methode, die bereits auf die geplante Internationale Gartenausstellung Ruhr 2027 angewandt wurde: Sie schätzen ab, wie sich Aufträge, Verbrauch und Steuern auf die Wirtschaft in der Stadt verteilen - welcher Teil der finanziellen Saat in Wuppertal aufgeht und welcher außerhalb bleibt. Grundlage sind Preise von 2018 und die Machbarkeitsstudie zur Bundesgartenschau des Landschaftsarchitekturbüros Stephan Lenzen. Die geht von 71 Millionen Euro Zuschuss aus der Stadtkasse aus; 35 Millionen Euro soll zusätzlich das Land Nordrhein-Westfalen beitragen.

Das nachgerechnete Ergebnis: Selbst das Landesgeld geht an Wuppertal vorbei. Eine anders lautende, positivere Bewertung im Uni-Gutachten war nicht treffend und verzerrte das Bild: In ihr waren die Ticket-Einnahmen zweimal enthalten. Einerseits mindert der Betrag von 28,5 Millionen Euro für die Eintrittskarten den Zuschuss der Stadt, sie muss also weniger für die Schau bezahlen. Das ist bereits in der Machbarkeitsstudie von Stephan Lenzen enthalten. Andererseits steckt der Kartenverkauf an auswärtige Besucherinnen und Besucher aber dann nochmals in der Rechnung der Uni, in Annahmen für die Effekte auf die Stadtwirtschaft. Einer der Gutachter, Ingenieur Dr. Roland Busch, bestätigte: "Für die Bewertung der ermittelten Effekte ist es sinnvoll, die Kosten für die Stadt Wuppertal ohne Abzug der Einnahmen zu betrachten." Die Wirkung für Wirtschaft, Verbraucher und Steuern sei vorsichtig berechnet, die Bewertung aber verschiebe sich: "Bei dieser Betrachtung gleichen die bei der Schätzung ermittelten positiven stadtökonomischen Effekte die Ausgaben aus."

Dann gibt es allerdings keine "deutliche Vorteilhaftigkeit" der Bundesgartenschau mehr für die Stadt Wuppertal, wie das Gutachten zunächst formuliert hatte; selbst wenn man die Stadtökonomie als Ganzes ansieht und öffentliches und privates Geld gemeinsam betrachtet. Oder, beispielhaft beschrieben: Die ganze Operation Bundesgartenschau in Wuppertal bringt auf diesem Stand ökonomisch nicht mehr, als wenn der Kämmerer die Stadtkasse aufschließt und aus irgendeinem der Finanzlöcher für 70 Millionen Euro Konsumgutscheine an Wuppertalerinnen und Wuppertaler ausgibt. Zugunsten eines Baumarkts vielleicht. Damit bräuchte man übrigens nicht bis 2031 zu warten.

Stand: 11. September 2021

Das Gutachten "Stadtökonomische Effekte einer BUGA 2031 in Wuppertal"
der Bergischen Universität Wuppertal ist über das Internet abrufbar im Ratsinformationssystem der Stadt: https://ris.wuppertal.de/getfile.php?id=277722&type=do

Machbarkeitsstudie Bundesgartenschau Wuppertal
von RMP Stephan Lenzen Landschaftsarchitekten, Bonn ist abrufbar von der Internetseite "Fokus Wuppertal - #Zukunftsflächen" der Stadt Wuppertal: https://www.wuppertal.de/microsite/Fokus_Wuppertal/Zukunftsflaechen/Zukunftsflaechen.php


Dieser Beitrag erschien zuerst in meinem Newsletter Berg und Tal - Beiträge zur Stadtpolitik.
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Zuletzt geändert am 13. September 2021