Dirk Lotze - Journalist
Festgenommener verstirbt in Polizeizelle - Chronologie eines mediengemachten "Skandals"

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Festgenommener verstirbt in Polizeizelle - Chronologie eines mediengemachten "Skandals"

index.jpg: 1200x675, 106k (11. November 2021)


Nach einem Polizeieinsatz in Wuppertal verstarb ein 25 Jahre alter Festgenommener am Morgen des 1. November 2021 in einer Polizeizelle. Das Geschehen bestätigte die Staatsanwaltschaft Wuppertal am folgenden Sonntag (7. November 2021) in einem ersten Bericht; seit dem Vortag waren Meldung im Internet aufgetaucht, Anfragen von Medienvertretenden gingen ein. Einem vorläufigen Obduktionsbericht der zuständigen Gerichtsmedizin zufolge gebe es in dem Fall keine Hinweise, dass körperliche Gewalt oder sonstiges Fremdverschulden Ursache für den Tod sein könnten, teilten die Behörden mit. Grund für den anfänglichen Verzicht auf eine öffentliche Mitteilung sei die tragödienartige Natur des Geschehens, dem keine Straftat zugrunde gelegen habe. Dennoch erfolgte am Abend des 7. November eine erste Demonstration in Wuppertal zur Mahnung wegen des Vorfalls. Über die folgenden Tage verschärften sich im Internet und in Zeitungen die Vorwürfe gegen die Behörden bis ins Extrem: Die Arbeit von Polizei und Staatsanwaltschaft wurden mit Begriffen aus dem Umfeld der organisierten Kriminalität bedacht. Es wurde unterstellt, es werde ein Mord durch Beamte verdeckt. Dabei fehlte eine eigenständige oder gar abweichende Version vom Geschehen und ein Anhaltspunkt für Vorwürfe. Über die folgende Woche wurden weitere Einzelheiten bekannt und ergänzten das Bild: Es handelte sich nicht um einen Skandal, wie Medienberichte nahelegten, wohl aber um bittere, tragische Geschehnisse. Die Chronologie.

Inhalt

1. November 2021 (Montag): Tod in der Zelle

Nach den vorläufigen Ermittlungsergebnissen winkte am 1. November 2021 um 5.23 Uhr ein Taxifahrer an der Kreuzung Brausenwerth im Stadtteil Elberfeld eine Funkstreife zur Unterstützung heran: Seine Fahrgäste wälzten sich im Streit miteinander auf dem Boden neben dem Wagen. Dabei habe es sich um den später Verstorbenen (25) und seine Schwester (34) gehandelt. Das Taxi hatte beide aus einem Wuppertaler Club abgeholt. Im Wagen habe sich eine Auseinandersetzung entwickelt und zugespitzt.

Laut Staatsanwaltschaft trennten die Beamten der Funkstreife das Geschwisterpaar auf der Straße. Dabei habe sich der Mann aggressiv verhalten und widersetzt. Die Polizisten hätten Verstärkung gerufen und ihn gefesselt in den Zellenbereich des sogenannten Polizeigewahrsams gebracht, das sich behelfsmäßig im Justizzentrum auf der Gerichtsinsel befindet. In einer Zelle dort habe er erneut randaliert, als man ihm die Fesseln abnahm. Für die Ermittlungen wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte habe man einen Arzt hinzu gezogen: Er sollte eine Blutprobe entnehmen. Das sei schließlich nur möglich gewesen, in dem Polizisten den sich wehrenden Mann festhielten.

Weiter der Staatsanwaltschaft zufolge kollabierte der Festgenommene gegen 6.45 Uhr, noch während der Arzt vor Ort war. Der habe einen Kreislaufstillstand festgestellt und sofort Wiederbelebungsversuche begonnen. Beamte hätten den Rettungsdienst gerufen, der mit Notarzt zu Hilfe gekommen sei. Dennoch sei der Mann gegen 7.25 Uhr in der Zelle verstorben. Laut Mitteilungen griechischer Behörden war der Verstorbene Grieche.

Am selben Tag, um 12.20 Uhr sagte die Schwester in den Räumen des Polizeipräsidiums Wuppertal zu den Geschehnissen aus. Dabei stellte sie ihr Mobiltelefon den Beamten zur Verfügung; die sichteten ein darin enthaltenes Video von 37 Sekunden Dauer, das die Frau während des Einsatzes auf der Kreuzung Brausenwerth aufgenommen hatte.

3. November 2021 (Mittwoch): Obduktion in der Gerichtsmedizin

Die Staatsanwaltschaft teilte mit, sie habe die Obduktion des Verstorbenen angeordnet; die sei am 3. November 2021 erfolgt. Laut einem vorläufigen, zusammenfassenden Bericht der Gerichtsmedizin gebe es keinen Hinweis, dass die Ursache für den Tod in Fremdverschulden oder in der Folge von Verletzungen lag. Der Mann habe Spuren an den Händen gehabt, die durch die Fesselung und die entsprechende Gegenwehr erklärt werden könnten. Man wisse aus Zeugenaussagen, dass er vor Kurzem am Bauch operiert gewesen sein soll. Auch damit oder mit Verletzungen an dieser Stelle stehe der Tod nicht im Zusammenhang.

Zeugen hätten ausgesagt, der Verstorbene habe in dem Club gefeiert, er habe dort Drogen gekauft und konsumiert. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Oberstaatsanwalt Wolf-Tilman Baumert, erläuterte am 7. November 2021: "Wir gehen davon aus, dass darin ein Grund für seine Aggressivität und womöglich für seinen Tod liegt. Wir haben ein Verfahren gegen Unbekannt eingeleitet - gegen die Person, die ihm die Drogen verkauft hat." Die Untersuchung der Blutprobe werde voraussichtlich einige Zeit dauern. Es bestehe kein Anhalt für einen Verdacht des Fehlverhaltens von Polizisten. Die Angehörigen seien umgehend persönlich über den Tod des 25-Jährigen informiert worden.

5. November 2021 (Freitag): Anzeige durch die Schwester

Die Schwester sagte am 5. November 2021 ein weiteres Mal bei der Polizei aus. Dabei gab sie eine Anzeige gegen die Polizistinnen und Polizisten auf, die beim Geschehen vom 1. November 2021 beteiligt waren. Diese seien aus ihrer Sicht für den Tod ihres Bruders verantwortlich. Von der Anzeige der Schwester erfuhren Medien in der folgenden Woche.

6. November 2021 (Samstag): Video im Internet

Am 6. November 2021 veröffentlichte eine Person ein Handy-Video von einem Polizeieinsatz auf einer Internet-Seite im Ausland: Drei Beamte sind zu unterscheiden; gegen wen sie vorgehen, ist nicht zu erkennen. Die Handy-Benutzerin protestierte während ihrer Aufnahme gegen den Einsatz. Die Webseite ist der linken Szene zuzuordnen, die Laufzeit des Videos wird mit 38 Sekunden angezeigt. Das entspricht im Wesentlichen einer Angabe der Polizei über ein Handy-Video der Schwester vom Geschehen, das 37 Sekunden dauern soll. Laut späterer Einschätzung der Staatsanwaltschaft dürfte das Internet-Video authentisch sein.

Der Begleittext zu den Bildern benannte Einzelheiten, die bis auf die Ortsangabe "Wuppertal" überwiegend nicht stimmten: Es wurde ein abweichendes Datum der Geschehnisse und ein anderes Alter eines angeblich festgenommenen Mannes erwähnt, dessen Tod bekannt gegeben worden sei. Es wurde behauptet, dass es keine Obduktion gegeben habe.

Ebenfalls am 6. November verbreitete ein Nutzer oder eine Nutzerin auf Twitter das Video weiter, verwies aber nicht auf die Quelle. Ein Hintergrund für das mutmaßliche Geschehen an der Kreuzung blieb unbekannt. Das Video wurde über Twitter zunächst von einer zweistelligen Zahl Nutzender aufgerufen. Eine Person sendete einen öffentlichen Aufruf, Informationen weiter zu geben und bot an, zu einer Demonstration aufzurufen. Zu dem Zeitpunkt hatte die Staatsanwaltschaft noch nichts mitgeteilt.

7. November 2021 (Sonntag): Erste Auskunft der Staatsanwaltschaft

Am Sonntagvormittag steigerten sich die Abrufe des Videos auf eine drei-, dann vierstellige Zahl. Weitere Twitter-Nutzende riefen auf, ihnen Informationen zu senden. Oberstaatsanwalt Baumert gab erste, telefonische Auskünfte, später erfolgte eine erste schriftliche Mitteilung der Polizei Hagen und der Staatsanwaltschaft an die Öffentlichkeit:

Gemeinsame Presseerklärung der StA Wuppertal und Polizei Hagen - 25-jähriger Mann verstirbt im Polizeigewahrsam der Wuppertaler Polizei - Obduktion ergibt keine Hinweise auf ein Fremdverschulden
https://www.presseportal.de/blaulicht/pm/30835/5066445

Die vor dem Wochenende aufgegebene Anzeige der Schwester erwähnte die Meldung nicht, sie kam auch nicht durch Angehörige an die Öffentlichkeit. Zur Situation bei seinen ersten Mitteilungen an die Presse erläuterte Baumert später auf Nachfrage: "Die Strafanzeige war mir seinerzeit nicht bekannt." Zudem müsse generell nach Eingang einer Anzeige geprüft werden, ob sie Anlass für die Aufnahme von Ermittlungen bietet; das sei nicht automatisch der Fall. Baumert fügte hinzu: Hätte er die Information vorliegen gehabt, so hätte seine Auskunft zum Geschehen nicht anders gelautet, er hätte aber auf die noch zu prüfende Strafanzeige hingewiesen.

Die Staatsanwaltschaft hatte auf Anfrage, aber nicht von sich aus informiert. Zum Ablauf insgesamt teilte Wolf-Tilman Baumert mit, er habe anfangs entschieden, dass die Geschehnisse aus seiner Sicht als Sprecher der Staatsanwaltschaft nicht berichtenswert waren. Zu diesem Punkt fügte er zwei Tage später (Dienstag) auf Nachfrage hinzu: Es habe sich um eine natürliche Todesursache gehandelt, letztlich um eine Tragödie, bei der ein junger Mensch, der sich nie etwas habe zu Schulden kommen lassen und der womöglich unter Drogen wie von Sinnen gewesen sei, verstorben war. Bei der selben Gelegenheit erläuterte er: "Ich habe mich umentschieden, nachdem am Sonntagmorgen die Polizei anrief und mitteilte, dass es eine ganze Reihe von Anfragen gab."

Vor diesem Hintergrund habe er Auskunft erteilt, wie es das Landespressegesetz vorschreibt. Das Gesetz verlange nicht von Behörden, dass sie ungefragt von sich aus Informationen veröffentlichen. Auch im Nachhinein betrachtet würde er einen denkbaren, ähnlichen Fall künftig ebenso entscheiden, fügte Baumert hinzu: "Natürlich denkt man darüber nach. Aber es wäre die gleiche Situation. Man kann selbstverständlich auf andere Weise vorgehen, aber ich habe niemanden gesprochen, der gesagt hätte, dass es falsch gewesen wäre."

Medien greifen die Geschehnisse auf

Noch am Sonntag berichteten Neues Deutschland und Spiegel online, es folgten taz und Süddeutsche Zeitung, sowie ausländische Fernsehsender. Über Tage ergaben sich keine ergänzenden Informationen. Lediglich die Anzeige durch die Schwester des Verstorbenen wurde nun bekannt. Zeitungen berichteten darüber online unter der Überschrift "Eilmeldung", das Datum der Anzeige erwähnten sie nicht. Sie stammte zu diesem Zeitpunkt aus der Vorwoche.

Parallel steigerten sich die Vorwürfe in sozialen Medien unter dem zusammenfassenden Stichwort "Polizeiproblem" von "brutale Festnahme" zu "Mord", "Foltermord" und "Verheimlichung". Sie stellten die aktuellen Geschehnisse in einen Zusammenhang mit zwei früheren Fällen aus Wuppertal, in denen ein Raubverdächtiger und ein mutmaßlich psychisch erkrankter Mann nach Angriffen auf Polizisten von Beamten erschossen wurden. Den Ermittlungsergebnissen wolle man grundsätzlich nicht glauben. Mehrere Gruppen gaben an, sie würden recherchieren. Resultate veröffentlichten sie nicht.

Die Internet-Äußerungen der verschiedenen Akteure nahmen jeweils unterschiedliche Zeitungen binnen Stunden auf und ordneten sie als Kritik an den Behörden ein. Initiativen würden Aufklärung fordern. Der Grund für den Tod des Verstorbenen sei unklar. Dabei wurde ausgespart, dass dies zum aktuellen Zeitpunkt nur zum Teil den Stand der Information beschrieb - dass es ein gerichtsmedizinisches Gutachten und Zeugenaussagen vor Behörden gab, aber noch kein toxikologisches Ergebnis. Ein Zeitungs-Kommentator unterstellte, es gebe in Deutschland ein Schweigegebot zu Fällen mutmaßlicher Polizeigewalt, wie es aus dem Bereich der organisierten Kriminalität der Mafia bekannt sei. Die Medienartikel und Zeitungskommentare wiederum wurden anschließend erneut von Internet-Kommentatoren aufgegriffen und teils verkürzt zitiert. Es kam vorübergehend zu einer weiteren, gegenseitigen Verstärkung.

11. November 2021 (Donnerstag): Aktuelle Viertelstunde im Innenausschuss

Am 11. November 2021 (Donnerstag) informierte Innenminister Herbert Reul (CDU) den Innenausschuss des Landtags Nordrhein-Westfalen in einer aktuellen Viertelstunde zu Beginn seiner Sitzung. Dabei stellte Reul für die Landesregierung den Bericht dar, den die Behörden zusammengestellt hatten. Auch hier ergaben sich keine zusätzlichen Gesichtspunkte. Laut Bericht des WDR gab es nach dem Vortrag keine Rückfragen von Abgeordneten der Oppositionsparteien.

Offizielles Wortprotokoll der 93. Sitzung des Innenausschusses des Landtags Nordrhein-Westfalen
mit dem Bericht des Innenministers und dem ergänzenden Bericht des Justizministeriums

im öffentlichen Dokumentensystem des Landtags: https://www.landtag.nrw.de/portal/WWW/dokumentenarchiv/Dokument/MMA17-1628.pdf (PDF, 1,3 Megabytes)

Aufrufe zu Demonstrationen

Inzwischen bestanden Aufrufe zur Demonstration gegen Polizei und Staatsanwaltschaft für Freitag (12. November) in Frankfurt und Hamburg und für Samstag (13. November) in Wuppertal, jeweils unter dem Motiv der Forderung von Gerechtigkeit für den Verstorbenen. Für den 20. November 2021 folgte ein Demonstrationsaufruf für Berlin.

12. November 2021 (Freitag): Griechisches Außenministerium berichtet über seine Schritte

Am 12. November berichtete das Außenministerium von Griechenland in einer Mitteilung über Gespräche seines Generalkonsuls aus Düsseldorf mit der Polizei in Hagen, der Staatsanwaltschaft Wuppertal und dem Innenminister des Landes Nordrhein-Westfalen, ohne das Ergebnis dieser Konsultationen zu bewerten. Das Ministerium erwarte von den zuständigen Behörden volle Aufklärung des Falles:

Statement regarding the death of a Greek citizen while in police custody in the German city of Wuppertal (12.11.2021) (in englischer Sprache)
https://www.mfa.gr/en/current-affairs/statements-speeches/statement-regarding-the-death-of-greek-citizen-while-in-police-custody-in-the-german-city-of-wuppertal-12112021.html

13.November 2021 (Samstag): Demonstration in Wuppertal und Statement der Schwester

Zur Demonstration am 13. November 2021 in Wuppertal-Elberfeld versammelten sich laut Übersichtsfotos bei Beginn 200 Teilnehmende im Regen auf dem Hauptbahnhofsvorplatz; auf einer Aufnahme nach dem Umzug von der Abschlusskundgebung sind 117 Personen zu sehen. Die Demonstrierenden legten Kerzen und Blumen am Justizzentrum am Eiland nieder - dem Ort, an dem der 25-Jährige verstarb. Seine Schwester äußerte sich während der Demonstration am Mikrofon. Das Neue Deutschland zitierte sie mit den Worten: "Es gab keinen Streit zwischen uns". Sie wolle nur wissen, was passiert ist.

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Gedenkort am Landgericht für den 25 Jahre alten Mann, der am 1. November 2021 im Polizeigewahrsam verstarb. Anonymisiert. Foto: Lotze

1. Dezember 2021 (Mittwoch): Gutachten weist Drogenkonsum des Verstorbenen nach

Am 1. Dezember 2021 informierte die Staatsanwaltschaft über ein erstes, noch grobes toxikologisches Gutachten. Die Untersuchung habe in Blut und Urin Amphetamine und Cocain-Abbauprodukte ergeben, im Urin zusätzlich Abbauprodukte von Cannabinoiden. Es sei davon auszugehen, dass der Verstorbene die entsprechenden Drogen konsumiert hatte. Das Gutachten enthalte noch keine Mengenangaben und die Rechtsmedizin habe noch nicht bewertet, ob die Ergebnisse den tödlichen Verlauf bei dem Mann erklären können. Die Blutalkoholkonzentration habe 0,01 Promille ergeben, das spreche für einen Konsum etwa eines Glases Bier im Lauf des Abends, so dass der Alkohol zum Zeitpunkt des Todes bereits wieder weitgehend abgebaut war.

Ein genaueres Gutachten werde von der Toxikologie für später erwartet.

17. Dezember 2021 (Freitag): Staatsanwaltschaft lehnt Ermittlungen gegen Polizisten ab

Die Staatsanwaltschaft Wuppertal lehnte am 17. Dezember 2021 die Aufnahme von Ermittlungen gegen die Polizisten nach der Anzeige der Schwester ab. Darüber informierte die Behörde am 13. Januar 2022. Grund für die Verzögerung bis zur öffentlichen Mitteilung sei gewesen, dass der entsprechende Bescheid an die Schwester zuvor nicht zugestellt gewesen sei. Laut der bisherigen Ergebnisse im Todesermittlungsverfahren stehe zwar die genaue Todesursache noch nicht eindeutig fest. Anhand des Obduktionsberichts sei aber ausgeschlossen, dass Gewalt durch die Polizisten zum Tod geführt haben könnte. Es lägen keine zureichenden Anhaltspunkte für eine verfolgbare Straftat vor. Bei dem Verstorbenen sei eine natürliche Todesursache naheliegend, durch ein krankhaft vergrößertes Herz zusammen mit der Einnahme von Drogen. Sollten sich neue Erkenntnisse ergeben, werde über die Aufnahme von Ermittlungen erneut entschieden. Das Todesermittlingsverfahren im Fall des verstorbenen Mannes laufe weiter.

Oberstaatsanwalt Baumert erläuterte auf Anfrage zum Zeitablauf: "Der Fall ist eingehend geprüft worden, die Vorwürfe sind auch erheblich. Es ist sehr genau hingeguckt worden. Das geschieht auch in anderen Verfahren; immer wenn ein Mensch zu Tode kommt." Er fügte hinzu: "Die zahlreichen Medienanfragen belegen, dass das Verfahren im öffentlichen Interesse steht, und dann informieren wir auch darüber. Wir haben außerdem an vorgesetzte Behörden berichtet."

Vorgesetzt sind der Staatsanwaltschaft Wuppertal der Generalstaatsanwalt in Düsseldorf und das nordrhein-westfälische Ministerium der Justiz.

Presseerklärung der Staatsanwaltschaft Wuppertal vom 13. Januar 2022
zur Ablehnung von Ermittlungen gegen Polizeibeamte
auf der Webseite der Behörde: https://www.sta-wuppertal.nrw.de/behoerde/presse/ZT_presse/Aktuelle_Pressemitteilungen/Tod-im-Polizeigewahrsam.pdf (PDF)

Hinweise

Anonymisierung

Die Identität des Verstorbenen schütze ich, indem ich seinen Namen nicht nenne und im Foto seines Gedenkorts Teile unscharf gestellt habe - entsprechend Richtlinie 8.2 "Opferschutz" des Pressekodex. Ich erwähne seine zurückliegende Operation am Bauch und seinen Bezug zu Griechenland, weil es im Ablauf der Geschehnisse bedeutsam ist.

Offene Punkte

  • Das abschließende toxikologische Gutachten der Rechtsmedizin steht noch aus. Darin wird berichtet, welche Medikamente oder sonstigen Substanzen im Körper des Verstorbenen in welcher Menge festgestellt wurden. Bislang liegen nur vorläufige Ergebnisse vor.
  • Im Todesermittlungsverfahren muss die Staatsanwaltschaft die Ergebnisse insgesamt bewerten.

Rechtsmedizin: So suchen Fachleute nach Giftspuren

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Die Suche nach Drogen und Giftspuren in Ermittlungsverfahren dauert oft viele Wochen. Das betrifft besonders Untersuchungen nach Todesfällen - die von der Öffentlichkeit intensiv verfolgt werden. Leserinnen und Leser fragen nach Berichten regelmäßig merklich frustriert in den Redaktionen nach, warum das so lange braucht: Wenn jemand eine Droge eingenommen oder verabreicht bekommen hat, dann könne man das doch sicher mit einem Test nachweisen. Aber ganz so ist es nicht.
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"Parallelfälle" mit Unterschieden - Todesfälle im Bereich von Polizei und Justiz

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Wuppertal. Im Zusammenhang mit dem tragischen Tod eines 25 Jahre alten Mannes Anfang November 2021 in einer Polizeizelle in Wuppertal verweisen Initiativen gegen Polizei und Justiz auf angebliche Parallelfälle. Es bestünden Ähnlichkeiten zu Geschehnissen um andere Personen in staatlicher Obhut in Nordrhein-Westfalen. Schuld seien Politik, Behörden oder einzelne Beamte. Es bestehen allerdings wesentliche Unterschiede bei Ort, Zeit, Art der Umgebung, Situation während des Notfalls, beteiligten Personen, Drogen und Erkrankungszustand - 6. Januar 2022
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Veröffentlicht 11. November 2021, zuletzt bearbeitet 14. Januar 2022.
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Die Ermittlungen der Polizei und die toxikologischen Untersuchungen dauern an. Zu den einzelnen Punkten des Geschehens können sich später zusätzliche oder abweichende Informationen ergeben, die ich ergänzen werde.

Titel-Symbolfoto: planet_fox/pixabay

Zuletzt geändert am 15. Januar 2022