Dirk Lotze - Journalist
"Parallelfälle" mit Unterschieden - Todesfälle im Bereich von Polizei und Justiz

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"Parallelfälle" mit Unterschieden

Todesfälle im Bereich von Polizei und Justiz

index.jpg: 1024x536, 77k (07. Januar 2022)

Wuppertal. Im Zusammenhang mit dem tragischen Tod eines 25 Jahre alten Mannes Anfang November 2021 in einer Polizeizelle in Wuppertal (siehe unten) verweisen Initiativen gegen Polizei und Justiz auf angebliche Parallelfälle. Es bestünden Ähnlichkeiten zu Geschehnissen um andere Personen in staatlicher Obhut in Nordrhein-Westfalen. Schuld seien Politik, die ausführende Staatsgewalt insgesamt oder einzelne Beamte. Berichten von Medien und Behörden zufolge gibt es zwischen den Geschehnissen insoweit Gemeinsamkeiten, als Beamte beteiligt waren. Gleichzeitig allerdings bestehen wesentliche Unterschiede bei Ort, Zeit, Art der Umgebung, Situation während des Notfalls, beteiligten Personen, Drogen und Erkrankungszustand:

  • 1. November 2021: Ein 25 Jahre alter Mann bricht im zentralen Polizeigewahrsam in Wuppertal in Gegenwart eines Arztes zusammen und verstirbt. Zuvor war ihm eine Blutprobe entnommen worden. Der Verstorbene hatte Amphetamin, Kokain und Cannabis konsumiert und soll an einer Herzerkrankung gelitten haben. Bei seiner Festnahme hatte die Polizei körperliche Gewalt angewendet. Laut Obduktionsergebnis der Rechtsmedizin sind deren Folgen als Todesursache auszuschließen.
  • Ende November 2021 informiert die Staatsanwaltschaft Köln, dass fünf Polizisten der Wache Köln-Ehrenfeld bei einem Einsatz vom vorangegangenen April einen 59 Jahre alten Kölner vorsätzlich und rechtswidrig angegriffen und schwer verletzt haben sollen. Der Mann verstarb zwei Monate darauf nach Aufnahme in einer Klinik in Euskirchen. Dass er in einer Polizeizelle gewesen sei, wurde nicht berichtet. Sein Tod löste Ermittlungen aus. Im Ergebnis wurden die Kölner Beamten suspendiert und müssen sich in Straf- und Disziplinarverfahren verantworten, erläuterte Innenminister Herbert Reul (CDU) im Landtag. Es gebe Hinweise, dass sie sich über Handy-Nachrichten untereinander und mit weiteren Beamten bekräftigend über Gewalthandlungen ausgetauscht hätten. Einer von ihnen soll zuvor in anderem Zusammenhang bereits einmal seines Dienstes enthoben gewesen sein.
Suspendierung von Polizeibeamten in Köln
Bericht des Innenministers vom 25. November 2021 im Landtag Nordrhein-Westfalen
Offizielles Ausschussprotokoll im Dokumentenarchiv des Landtags:
https://www.landtag.nrw.de/portal/WWW/dokumentenarchiv/Dokument/MMA17-1646.pdf
  • 3. Dezember 2021: Ein 42 Jahre alter Mann wird tot in seiner Zelle in der Justizvollzugsanstalt Wuppertal-Vohwinkel aufgefunden. Er verstarb nach Suizid, kurz nachdem er Strafhaft angetreten hatte.
  • 4. Dezember 2021: Ein 19-jähriger Mann wird leblos in einer Zelle des Polizeigewahrsams in Köln-Kalk aufgefunden, kurz bevor er entlassen werden soll. Er soll unter dem Einfluss von Medikamenten, Alkohol und weiteren Drogen gestanden haben. Zuletzt zehn Minuten vor seinem Tod habe eine Kontrolle keine Auffälligkeiten ergeben.
  • 8. Dezember 2021: Ein 17 Jahre alter Jugendlicher in Untersuchungshaft verstirbt durch Suizid in der Justizvollzugsanstalt Wuppertal-Ronsdorf.
  • 20. Dezember 2021: Ein 24 Jahre alter Mann erleidet auf dem Weg ins Polizeigewahrsam Düsseldorf einen medizinischen Notfall. Er verstirbt mehrere Stunden später in einer Klinik. Er soll sich bei seiner Festnahme körperlich widersetzt haben. Laut Gerichtsmedizin hatte er keine Verletzungen, die zu seinem Tod geführt haben können.

Aus Januar 2018 gibt es zwei Berichte über Todesfälle von Festgenommenen im Polizeigewahrsam: In Essen verstarb ein Mann, der randaliert hatte und angegeben haben soll, Crystal Meth konsumiert zu haben. In einer Zelle in Gummersbach starb ein Familienvater nach einer Festnahme im Zusammenhang mit häuslicher Gewalt. Laut Bericht des Innenministers hatte er angegeben, alkohol- und heroinabhängig zu sein. Ein Atemalkoholtest hatte 1,1 mg Alkohol pro Liter ergeben, entsprechend ungefähr 2,2 Promille Blutalkohol. Geschehnisse bei der Festnahme wurden durch Obduktionsergebnisse jeweils als Todesursache ausgeschlossen.

Das Innenministerium kam damals in einer Information für den Landtag zu dem Schluss, es könne bei Einhaltung der vorgeschriebenen Kontrollmechanismen nicht vollständig ausgeschlossen werden, dass Personen im Polizeigewahrsam aufgrund eines plötzlichen medizinischen Notfalls versterben. Dem schloss sich der Innenausschuss des Landtags an. Eine Erhöhung der Sicherheitsmaßnahmen wurde nicht gefordert.

Hintergrundinformationen zu den Todesfällen im Polizeigewahrsam in Essen und in Gummersbach
Bericht des Innenministers vom 25. Januar 2018 im Landtag Nordrhein-Westfalen
Öffentliche Vorlage 17/485 im Dokumentenarchiv des Landtags:
https://www.landtag.nrw.de/portal/WWW/dokumentenarchiv/Dokument/MMV17-485.pdf

Lassen Sie Personen nicht allein, die Gedanken über Selbsttötung äußern. Hilfe für alle vermittelt zu jeder Zeit die Telefonseelsorge unter ihren kostenfreien Telefonnummern:
0800 111 0 111 und 0800 111 0 222


Veröffentlicht 7. Januar 2022.

Zu den einzelnen Geschehnissen können später zusätzliche oder abweichende Informationen bekannt werden, die ich unverzüglich nachtragen werde.

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Symbolfoto: Pixabay


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Zuletzt geändert am 15. Januar 2022